Schwerbehindertenvertretung

Sie macht den Weg frei

Lydia Maus setzt sich als Schwerbehinderten­vertreterin für Kolleginnen und Kollegen ein.

Lydia Maus im Gespräch auf der SBV-Jahrestagung

Lydia Maus im Gespräch auf der SBV-Jahrestagung

Foto: © Christian Burkert

Es ist ihr lange nicht mehr passiert, dass sie im Unternehmen gebeten wurde: »Reden Sie mal mit ihm. Der Kollege quält sich doch nur mit seiner Krankheit. Der soll lieber in Rente gehen.« Denn inzwischen wissen alle bei der Continental Reifen Deutschland GmbH: Lydia Maus lässt sich dafür nicht einspannen. Sie steht konsequent auf der Seite der Kolleginnen und Kollegen mit Behinderungen und fragt lieber selbst bei ihnen nach: »Warum ist es dir wichtig zu arbeiten?« Denn die Schwerbehindertenvertreterin weiß: »Es ist wissenschaftlich erwiesen: Teilhabe am Arbeitsleben ist wichtig für die Gesundheit.«

Die Sechzigjährige hat miterlebt, wie sich die Gesellschaft verändert hat. »Ich bin in eine Regelschule gegangen«, erzählt sie. Da ging es gar nicht anders, als schnell zu lernen, andere um Hilfe zu bitten. Denn mit ihren verkürzten Unterarmen konnte sie sich zum Beispiel nicht selbst das T-Shirt in die Hose stecken. »Damals galt der Spruch: Hemd aus der Hose – Geld verspielt«, erinnert sie sich schmunzelnd. Als sie 1990 einen Arbeitsplatz als Elektrotechnikerin bei Conti bekam, konnte sie sich die Frage nicht verkneifen: »Habt ihr hier noch andere waschechte Behinderte?« Nein, sie war damals die einzige.

Lydia Maus

Lydia Maus
Foto: © Christian Burkert

»Teilhabe am Arbeitsleben ist wichtig für die Gesundheit.«

Einige Zeit später wurde ihre Abteilung geschlossen. Lydia Maus musste darum kämpfen, im Konzern zu bleiben. Das war der Moment, in dem sie beschloss, sich zu engagieren: Damit andere Kolleginnen und Kollegen nicht allein kämpfen müssen. Seit sie 2012 Schwerbehindertenvertreterin wurde, setzt sie sich dafür ein, junge Kolleginnen und Kollegen einzustellen, die bereits eine Behinderung mitbringen. Mittlerweile gibt es bei Continental eine konzernweite Inklusionsvereinbarung. Damit verpflichtet sich der Arbeitgeber zum Beispiel, vor einer Baumaßnahme zu prüfen, wie man Barrieren vermeiden kann. Doch Maus’ Aufgabe bleibt es, permanent daran zu erinnern.

Nach Feierabend hört sie nicht auf, sich zu engagieren. Sie ist Vorsitzende des Bundesselbsthilfeverbands Kleinwüchsiger Menschen e. V. Entspannung findet sie im Garten und bei ihrer Familie, wo sich eine Menge um das Enkelkind und um die Mini-Malteserhündin Luna dreht. Wenn der Tatort aus Münster kommt, sitzt sie vor dem Fernseher, erzählt sie. »Eine Freundin von mir hat ChrisTine Urspruch als Alberich sogar schon einmal gedoubelt.«

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