Betriebsratswahlen

Gelungener Generationswechsel

Die Betriebsratswahlen sind durch. In allen Betrieben sind die Stimmzettel ausgezählt und die neuen Gremien gewählt. Ein Großteil der Ergebnisse ist erfasst, nochmals mit Zuwächsen beim Organisationsgrad. Zeit, einen Blick auf das aktuelle Zwischenergebnis zu werfen.

Wahl-Kreuz
Foto: © istockphoto - fotomarekka

Etwa 25 000 Betriebsrätinnen und Betriebsräte haben in den neu-gewählten Gremien die Arbeit aufgenommen. Die IGBCE beweist dabei einmal mehr, wie stark sie in den Betriebsratsgremien verankert ist. Mit 76 Prozent ist der Organisationsgrad in den Gremien sehr hoch – beim Vorsitz der Gremien beträgt der Anteil sogar 89 Prozent. Das bedeutet gegenüber dem Wahlergebnis von 2018 Steigerungen um zwei beziehungsweise vier Prozentpunkte.

Auch der Anteil der Frauen in den Gremien ist noch einmal leicht gestiegen. Mit 29 Prozent ist der Frauenanteil in den Betriebsratsgremien jetzt zwei Prozentpunkte höher, als der Frauenanteil in den IGBCE-Betrieben insgesamt. Jeder fünfte Betriebsrat wird mittlerweile von einer Vorsitzenden angeführt.

Die BR-Wahlergebnisse im Detail

Das besondere in diesem Jahr aber ist: Etwa 4000 der neu Gewählten gehören der jungen Generation an. Eine Steigerung von 60 Prozent gegenüber vor den Wahlen und Ausdruck  eines Generationswechsels, der bereits in vollem Gang ist. Viele Jüngere sehen in der Betriebsratsarbeit die richtige Gelegenheit, um das Arbeitsleben für sich und die Kolleginnen und Kollegen aktiv zu gestalten. 

IGBCE-Vorstandsmitglied Francesco Grioli, in der Organisation für das Thema Wahlen verantwortlich, ist stolz: »Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Uns ist der Generationswechsel gelungen. Wir haben es geschafft, deutlich mehr junge Menschen für die Betriebsratsarbeit zu gewinnen. Es ist ein schönes 
Signal, dass die junge Generation aktiv Arbeit gestalten möchte. Das gibt Rückenwind für die Zukunft.« Zudem sei der Organisationsgrad der jungen Betriebsratsmitglieder mit 90 Prozent sehr hoch.

Bei Evonik in Hanau ist der Generationswechsel mittlerweile gelebte Praxis. Miriam Hermann, die bereits das zweite Mal in den Betriebsrat gewählt wurde, berichtet: »In unserem Betriebsrat wird schon seit einiger Zeit viel Wert auf den Generationswechsel gelegt, und Nachwuchs wird in unserem Gremium gefördert. Auch dieses Mal sind neue Mitglieder dazu gekommen, die teilweise bereits Erfahrung aus ihrer Zeit als Jugend- und Auszubildendenvertreter*innen mitbringen, oder aus anderer Gremientätigkeit ihren Blickwinkel einbringen. Wir profitieren sehr von dem Austausch zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Mitgliedern. Es gibt keine Frage, die nicht gestellt werden kann und insgesamt stellt sich das Gremium damit sehr gut für die Zukunft auf.« Hermann selbst ist vor vier Jahren erstmals angetreten, nachdem sie zuvor in der Jugend- und Auszubildendenvertretung Erfahrung gesammelt hat. Und sie hat Tipps für die jungen Neuen im Gremium: »Traut euch, bringt euch ein, besucht Seminare und eignet euch Wissen an.« Denn mit dem nötigen Fachwissen aus den IGBCE-Seminaren fällt es viel leichter, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Noch eine gute Nachricht: Der befürchtete extreme Einbruch der Wahlbeteiligung durch die Corona-Maßnahmen ist vielerorts ausgeblieben. Die Wähler*innen konnten trotz Home-office und Kontaktbeschränkungen größtenteils erreicht werden und haben ihre Stimme abgegeben. Mit rund 61 Prozent liegt die Wahlbeteiligung nur knapp sieben Prozentpunkte unter der Wahlbeteiligung von 2018. Somit haben die allermeisten Gremien weiterhin ein starkes Mandat der Beschäftigten und können entsprechend selbstbewusst auftreten. 

Bei Leipa Nord in Schwedt lag die Wahlbeteiligung bei 84,5 Prozent. Marco Sandow, der frisch gewählte Betriebsratsvorsitzende des Betriebes, berichtet: »Die Wählerinnen und Wähler haben sich bei dieser Wahl nicht durch Corona davon abhalten lassen, ihre Stimme abzugeben, auch wenn der Aufwand höher war, als zu früherer Zeit. Unser Wahlvorstand war aber dahingehend sehr gut vorbereitet und konnte sich schnell auf die sich verändernden Gegebenheiten einstellen, sodass alle Wahlberechtigten die Möglichkeit hatten, trotz teilweise erschwerter Bedingungen, ihre Stimme abzugeben.« Das Wahlergebnis mit der wiederum hohen Wahlbeteiligung zeige, dass eine engagierte Arbeitnehmer*innenvertretung im Betrieb als wichtig wahrgenommen und von den Beschäftigten benötigt werde, betont Sandow weiter.

Auch im Betriebsrat der Leipa Nord ist der Generationswechsel ein Thema gewesen. Zwei Urgesteine des Betriebsrates, die bereits bei der Gründung des Gremiums dabei waren, haben sich nicht noch einmal zur Wahl gestellt und ihr Mandat für jüngere Kolleg*innen freigemacht, die auch direkt ins Gremium gewählt wurden. 

Weitere Informationen

Das Konkrete Wählen
BR-Arbeit

2022 ist es wieder so weit: In vielen Betrieben bundesweit stehen die regulären Betriebsratswahlen unter dem Motto "Das Konkrete wählen" an. Kandidaten suchen und finden, Wahllisten regelkonform aufstellen, Fristen einhalten – eine Betriebsratswahl ist eine komplexe Angelegenheit. In diesem Prozess wollen wir als IGBCE dich und deine Kolleg*innen aktiv unterstützen.