Weniger Ausbildungen in Chemiebranche

Sozialpartner werben für attraktive Ausbildungsplätze

In der norddeutschen Chemieindustrie haben in diesem Jahr 857 Jugendliche eine Ausbildung begonnen. Das sind 128 weniger als im Vorjahr, stellten Vertreter des Arbeitgeberverbands Chemie Nord und des IG-BCE-Landesbezirks Nord beim „Runden Tisch für Arbeitsmarktfragen“ am 18. November in einer virtuellen Konferenz fest. Mit 942 Ausbildungsplätzen hatten die Unternehmen deutlich weniger angeboten als 2019. Erstmals seit 2009 wurde das im Tarifvertrag vereinbarten Soll von 952 Ausbildungsplätzen nicht erreicht. Dennoch blieben 85 Plätze unbesetzt.

Gute Chancen Ausbildung

Dank guter Ausbildung haben viele Jugendliche eine Perspektive in der Chemiebranche.

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Den Rückgang der Ausbildungsplätze führt Dr. Jochen Wilkens, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Chemie Nord, auf den Umbruch in der Automobilzulieferindustrie zurück: „Dieser dramatische Veränderungsprozess wird dazu führen, dass wir mit weniger Personal auskommen werden.“ Eine kurzfristige Erholung der Ausbildungszahlen erwartet er nicht, „weil der Anteil der Beschäftigten in der Zulieferindustrie über 40 Prozent ausmacht.“ Beide Seiten sind sich darüber einig, weitere Aktivitäten zu entfalten, um ein Absinken der Ausbildungszahlen zu vermeiden. „Insgesamt ist die chemische Industrie eine der Leitbranchen Norddeutschlands und will ihrem gesellschaftspolitischen Auftrag weiterhin gerecht werden“, bestätigt IG BCE- Landesbezirksleiter Ralf Becker.

Als problematisch bewerten die Sozialpartner die gestiegene Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze. „Viele Jugendliche ziehen eine schulische der beruflichen Ausbildung vor“, sagt Ralf Becker. Um auf die attraktiven Ausbildungsplatzangebote im Norden hinzuweisen, hat der Arbeitgeberverband verstärkt Werbespots produziert und über die Sozialen Medien verbreitet. Gravierend wirkten sich die Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie aus: So wurden Kooperationen mit Schulen und Ausbildungsmessen abgesagt. „Einige Unternehmen konnten sich nicht schnell genug auf diese neue Situation einstellen“, sagt Verbandspressesprecher Alexander Warstat. Diese unterstützte der Arbeitgeberverband mit einem Technik-Kit. „Damit können kleine Videos zur Eigenwerbung gedreht und über die eigenen Social-Media-Kanäle geteilt werden.“

Da die Pandemie die Unternehmen noch länger begleiten wird, planen die Sozialpartner für Anfang 2021 eine virtuelle Veranstaltung mit einem Vertreter der niedersächsischen Landesregierung zur Umsetzung der Corona-Maßnahmen in den Betrieben sowie zum Beitrag der norddeutschen Chemie- und Pharmaindustrie zur Bewältigung der Krise.

Für Rückfragen: Jeannette Härtling mobil:  0173-6080683