IG BCE zu Sparplänen von Continental

"Schlichten Kahlschlag wird es mit uns nicht geben"

Die IG BCE kritisiert die drastische Verschärfung des Sparprogramms beim Automobilzulieferer Continental als überzogen und wahllos. „Unter dem Deckmantel der Corona-Krise soll nun offenbar alles zusammengekehrt werden, was den Renditeansprüchen nicht mehr gerecht wird“, sagt Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hautvorstands der IG BCE und des Continental-Aufsichtsrats. „Einen schlichten Kahlschlag wird es mit uns nicht geben.“

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Francesco Grioli,  Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE

Foto: © Helge Krückeberg

Continental hatte heute mitgeteilt, die Einsparpläne seines „Strukturprogramms“ auf eine Milliarde Euro bis 2023 zu verdoppeln und 30.000 Arbeitsplätze, davon 13.000 in Deutschland, zur Disposition gestellt. Eine Jobgarantie wird den Beschäftigten verwehrt.

„Unser Ziel ist und bleibt der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen“, so Grioli. „Es gibt unzählige Hebel in Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen, um intelligent mit Krisen wie dieser umzugehen. Außerdem hat uns die Politik mit zusätzlichen Möglichkeiten ausgestattet, die es zu nutzen gilt – wie etwa die Ausweitung des Kurzarbeitergelds. Ich erwarte vom Conti-Vorstand, dass er gemeinsam mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften alle Mittel und Wege ausschöpft, um das Strukturprogramm sozialverträglich umzusetzen und möglichst viele Fachkräfte an Bord zu halten.“

Andere große Zulieferkonzerne hätten bereits bewiesen, dass das möglich sei. „Conti hält viel auf seine Wettbewerbsfähigkeit. In Fragen der sozialverträglichen Gestaltung von Transformation gibt es da offenbar noch Luft nach oben“, kritisiert das IG-BCE-Hauptvorstandsmitglied. „Mit Managementmethoden der Vergangenheit lässt sich kein Weg in Richtung Zukunft beschreiten.“

Grioli machte deutlich, dass die IG BCE offen sei für kreative Lösungen, um den Konzern durch die Krise zu manövrieren und die Beschäftigten für die Transformation der Branche zu rüsten. Denkbar sei etwa eine Kombination aus temporärer Reduzierung der Arbeitszeit und durch die Bundesagentur für Arbeit finanzierte Weiterbildung. „Wir brauchen jetzt eine enge Kooperation aller Beteiligten, um im Wandel der Industrie niemanden zurückzulassen.“