Szenario 1
„Unter Druck"

Der Wettbewerbsdruck nimmt zu, Marktanteile gehen verloren, die Gewinnmargen werden kleiner. Noch zehrt das Land vom „Polster“ einstiger Technologieführerschaft, von seiner noch immer vorhandenen Exportstärke, von seiner nach wie vor vergleichsweise stabilen Gesellschaftsstruktur. Doch die Anzeichen verpasster Entwicklungsmöglichkeiten sind unübersehbar.

Zu lange wurde zu wenig in neue Produktionsanlagen und Geschäftsfelder investiert. Die Infrastruktur wird zunehmend marode, weil auch der Staat kaum in deren Erhalt investiert hat. Immer mehr Unternehmen konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft – oder werden angesichts schwacher Umsatzentwicklung zu Übernahmekandidaten. Im Zuge von Restrukturierungs- und Sparprogrammen sowie der Digitalisierung verschwinden deutlich mehr (gut organisierte und mitbestimmte) Arbeitsplätze als neue entstehen. Die soziale Schere hat sich weiter geöffnet, immer mehr Menschen fallen aus der Mittelschicht, kommen nur knapp über die Runden. Das gesellschaftliche Klima ist geprägt von Pragmatismus und einer gewissen Duldungsstarre. Angesichts schwindender Mitgliederbasis und Tarifbindung fokussiert sich die Gewerkschaftsarbeit zunehmend auf die Stärkung von „Tarifinseln“ und gut organisierten Betrieben. Zudem geht es darum, den wachsenden Anteil der unsicher und oft auch schlecht bezahlten Beschäftigten – in den an Drittfirmen ausgegliederten Tätigkeiten, in der Leiharbeit oder in den über die Plattformen vermittelten Werk- und Dienstverträge – gewerkschaftlich zu organisieren.

Szenario 1: "Unter Druck"
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