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Was wir für dich im Frühling schon erreicht haben

Klar – in den aktuellen Chemie-Verhandlungen geht’s vor allem ums Geld. Denn viele andere Themen sind schon im April vereinbart worden. Was wir für dich durchgesetzt haben.

Tarifverhandlungen im April in Wiesbaden

Die Tarifverhandlungen im April in Wiesbaden.

Foto: © Andreas Reeg

Die aktuellen Tarifverhandlungen für die 580.000 Beschäftigten in der Chemie sind rein formal die dritte bundesweite Gesprächsrunde, weil sich IGBCE und Chemie-Arbeitgeber im April angesichts der Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg zur Entgelt-Frage vertagt hatten. Gleichwohl wurde bereits damals eine Vielzahl von Vereinbarungen getroffen. Was wir für dich schon erreicht haben im Überblick:

Brückenzahlung: Mit einer Brückenzahlung in Höhe von einmalig 1400 Euro pro Tarifbeschäftigtem überbrückte die Branche im April zunächst die Phase der Unsicherheit, die sie direkt nach dem Beginn des Ukraine-Krieges erfasst hatte. Damit wurde der Zeitraum von sieben Monaten bis zur Wiederaufnahme der Verhandlungen jetzt im Oktober abgedeckt. Auszubildende erhieltten 500 Euro pro Kopf. In Not leidenden Betrieben konnte die Brückenzahlung auf 1000 Euro reduziert werden, wovon lediglich 7 Prozent der Betriebe Gebraucht machten.

Schichtzulagen: Für die besonders belastenden Nachtschichten wurden die Zulagen im Juli auf 20 Prozent vereinheitlicht. Das entspricht einem Lohnplus von gut 1,7 Prozent für die in Schichtarbeit Beschäftigten.

Sozialpartnermodell: Beide Seiten führen in der betrieblichen Altersvorsorge das so genannte Sozialpartnermodell ein – gemeinsam mit dem ChemiePensionsfonds der R+V Versicherung. Es ist das bundesweit erste auf einem Flächentarifvertrag basierende Modell dieser Art. Das Sozialpartnermodell ist eine Betriebsrente auf Basis einer reinen Beitragszusage und bietet durch den Verzicht auf Garantien höhere Renditechancen. Nutznießer sind zunächst neue Tarifbeschäftigte in den Betrieben der chemischen Industrie, die für ihre Altersvorsorge auf den ChemiePensionsfonds setzen. Für die bisherigen Kundinnen und Kunden des ChemiePensionsfonds ändert sich nichts an ihren bestehenden Verträgen und Versorgungen. Die gesetzliche Grundlage für das Sozialpartnermodell hatte bereits 2017 die damalige Bundesregierung geschaffen. Der ChemiePensionsfonds ist einer der großen Pensionsfonds in Deutschland – mit einem Vermögen von aktuell rund 1,1 Milliarden Euro. Er hatte vor 20 Jahren als bundesweit erster branchenweiter Pensionsfonds seine Zulassung erhalten.

Ausbildung: Mit dem Förderprogramm „AusbildungPlus“ soll die Ausbildung in kleinen und mittleren Unternehmen gestärkt und Pandemie-bedingte Defizite der Ausbildungs- und Prüfungsjahrgänge 2022 und 2023 ausgeglichen werden. Auszubildende erhalten bei Bedarf eine zusätzliche Lernunterstützung und Prüfungsvorbereitung. Dafür werden die Instrumente des Unterstützungsvereins der chemischen Industrie (UCI) ausgeweitet. Das Fördervolumen beträgt 3 Millionen Euro. Generelles Ziel ist es, Ausbildungshemmnisse abzubauen.

Mobiles Arbeiten: Die Praxis mobilen Arbeitens in den Unternehmen wird wissenschaftlich evaluiert, Ergebnisse sollen im Jahr 2023 vorliegen. Ziel ist es, die bisherige Praxis mobiler Arbeit mit Blick auf die Auswirkungen auf Arbeits- und Gesundheitsschutz, Arbeitszeitgestaltung, Mitbestimmung, Produktivität, Arbeitsorganisation und Datensicherheit zu hinterfragen und daraus gegebenenfalls tarifpolitische Maßnahmen und Handlungsperspektiven abzuleiten.

Altersfreizeit in Teilzeit: Strittig zwischen IGBCE und Arbeitgebern war lange, ob Teilzeitbeschäftigte anteilig Anspruch auf Altersfreizeit haben. Nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts im Sinne der IGBCE haben die Tarifparteien diesen Anspruch nun im Manteltarifvertrag festgeschrieben. Zudem werden weitere Möglichkeiten zur Flexibilisierung der Altersfreizeit geschaffen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, den Anspruch auf Altersfreizeiten durch eine der folgenden Optionen zu ersetzen: flexibler Übergang in den Ruhestand, Einzahlung in die betriebliche Altersversorgung, Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung, Einbringung in das Langzeitkonto.

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Wir plus X
Foto: © Andreas Reeg
Chemie-Tarifrunde

Nettoentlastung von bis zu 15,6 Prozent: Nach  schwierigen Verhandlungen haben sich IGBCE und Chemie-Arbeitgeber auf ein nachhaltig wirksames Entlastungspaket für die gut 580.000 Beschäftigten der Branche geeinigt, das sowohl akute Energiepreissprünge abfedert als auch tabellenwirksam die Entgelte steigert.