IG BCE Bezirk Mannheim

Saint-Gobain Glass in Mannheim lässt Verhandlungen über Interessensausgleich scheitern

Am gestrigen Mittwoch den 23.02.2021 fand der vierte Verhandlungstermin für einen Interessensausgleich und Sozialplan statt.
Die Arbeitgeberseite war bis zum Schluss nicht bereit, einen wirklichen Kompromiss einzugehen und versteckt sich weiter hinter Ausreden.

Saint Gobain Mannheim
Foto: © Patrick Schütze

Mit den bei Saint-Gobain geführten Verhandlungen über einen Interessensausgleich soll das „Ob, Wann und Wie“ einer Betriebsänderung verhandelt werden und der Arbeitgeber hat hierzu mit dem Betriebsrat ernsthafte Verhandlungen zu führen. Dies war im letzten Jahr schon nicht der Fall, da permanent Informationen durch den Konzern zurückgehalten wurden und zeigte sich ebenfalls im neuen Jahr bis zum Schluss.

Die Arbeitgeberseite war zu keiner Zeit bereit, auch nur im Ansatz über ein Alternativszenario zu sprechen und damit den Kolleginnen und Kollegen eine weitere Perspektive und Sicherheit zu geben. Am Ende zeigt sich deutlich, dass es dem Arbeitgeber wohl nur darum ging, die Menschen schnellstmöglich und so billig wie möglich vor die Tür zu setzen. Anders kann man das Verhalten nicht erklären. Man informierte den Aufsichtsrat erst nach der Managemententscheidung und drückte dann mit seiner Arbeitgebermehrheit - in einer einzigen Sitzung - die eigenen Interessen durch. Mitbestimmung scheint daher lästig und bei Saint-Gobain nicht gewünscht. Auch das Agieren in Mannheim belegt dies zweifellos. Wollte man doch vor dem Arbeitsgericht nur eine Einigungsstelle für einen Interessensausgleich erwirken, um schnellstmöglich kündigen zu können.

Vor dem Prozess beim Landesarbeitsgerichts einigte man sich darauf, dass auch der Sozialplan mit verhandelt wird. Dies sollte eigentlich selbstverständlich sein. In der Einigungsstelle musste der Arbeitgeber dann endlich weitere Unterlagen offenlegen. Eine wirkliche Begründung für die Schließung ließ sich jedoch nicht finden und auf Antworten wartet man bis heute vergebens. Man wollte wohl Corona nutzen, um hier schnell und leise das schnelle Geld zu machen. Dem Konzern geht es nicht schlecht, er macht weiterhin Milliardengewinne. Die Aktionäre konnten sich außerdem gerade kürzlich über eine große Dividendenerhöhung freuen.

„Für die Kolleginnen und Kollegen in Mannheim hingegen hat man nicht den Anstand, seiner sozialen Gerechtigkeit nachzukommen. Man lässt die Kolleginnen und Kollegen einfach fallen!“ beschreibt Patrick Schütze von der IG BCE die Situation. „Es ist einfach eine bodenlose Frechheit, wenn man vom Arbeitgeber lediglich Angebote über eine rückwirkende Betriebsschließung bekommt und es keinerlei Gesprächsbereitschaft darüber gibt. Das ist keine Augenhöhe, sondern lediglich ganz klassischer Stil aus der Industrialisierungszeit.“ äußert sich Ilhan Bakir Betriebsratsvorsitzender sichtlich verärgert. „Wie hier mit Menschen umgegangen wird, habe ich so noch nie erlebt und bei einem Konzern der im Geld nur so schwimmt, ist das auch absolut unverständlich.“ ergänzt Schütze weiter.

Das gute Angebot durch den Einigungsstellenvorsitzenden hat die Arbeitgeberseite ebenfalls ausgeschlagen und war damit nicht bereit, ihren angemessenen Beitrag zu leisten. Damit verdichtet sich der Verdacht weiter, dass man es lediglich schnell und billig haben will. Scheinbar hatte man gehofft, hier heimlich das schnelle Geld durch einen Verkauf zu machen. Sitzt der Konzern doch auf dem großen Grundstück in Mannheim. Jetzt wird es im Sozialplan darum gehen, wie viel Wert hier wirklich ist, damit die Beschäftigten ihren Anteil an dem Gewinn, der durch ihren Verlust des Arbeitsplatzes erzielt wird, auch angemessen ausgeglichen bekommen.

Es zeigt sich hier ein Gesamtbild, welche Werte Saint-Gobain vertritt. Lässt man doch weiterhin die Kolleginnen und Kollegen in einer Pandemie zum Kartenspielen in den Betrieb kommen.
Absolut unwürdig!
Zu erwarten ist nun, dass der Arbeitgeber schnellstmöglich Kündigungen aussprechen wird, um seinen Plan weiterzuverfolgen.
Wir werden unsere Gewerkschaftsmitglieder weiterhin mit allen Mitteln vertreten und jedes Mitglied im Kündigungsschutzprozess unterstützen. „Dass dieser französisch geleitete Konzern Saint-Gobain sich im Mannheimer Traditionswerk als Arbeitgeber im gesamten Abwicklungsprozess verhalten hat, als wäre die Zeit vor 1789 stehengeblieben, ist das Eine. Dies müssen zum Schluss nun leider die Gerichte klären.“ so der IG BCE Bezirksleiter in Mannheim Steffen Seuthe.

Wer sich jemals gefragt hat, wofür man eine Gewerkschaft braucht, kann im Fall Saint-Gobain deutlich sehen wofür.

Wir stehen zusammen.

Ansprechpartner bei Rückfragen:

Steffen Seuthe
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Patrick Schütze
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