IG-BCE-Bezirk Berlin-Mark-Brandenburg

Digitale Bezirksdelegiertenkonferenz: IG BCE mit großer Kraft und hoher Dynamik

Eine digitale Form der Konferenz ist nicht der Wunsch von Gewerkschafter*innen, in deren DNA der unmittelbare Kontakt verankert ist. Doch was das Team im Bezirk und die Delegierten in Berlin-Mark Brandenburg aus der ersten digitalen Bezirksdelegiertenkonferenz im Landesbezirk Nordost gemacht haben, setzt Maßstäbe. Einblicke in die Konferenz eines Bezirks mit großer Kraft und hoher Dynamik.

Bezirksdelegiertenkonferenz 2021 - Eröffnung durch Bezirksleiter Rolf Erler

Bezirksleiter Rolf Erler eröffnet die Bezirksdelegiertenkonferenz im Bezirk Berlin-Mark Brandenburg. 

Foto: © Susanna Martinez - Bezirk Berlin-Mark-Brandenburg

Bezirksleiter Rolf Erler brachte die künftigen gewerkschaftlichen Herausforderungen auf den Punkt, als er von den sich immer schneller verändernden Arbeitsprozessen, den Umbrüchen in den Unternehmen und dem steigenden Druck auf die Arbeitsplätze sprach. „Wir müssen unsere gewerkschaftliche Gestaltungskraft dagegenhalten“, so Erler. Der existentielle Schlüssel zur Gestaltung der Zukunft sei für die IG BCE die Frage der Mitgliedschaft: „Unser Fokus muss immer wieder drauf liegen, wie wir viele Menschen für uns gewinnen können.“

Bezirk in der Mitgliederentwicklung auf gutem Weg

Der Bezirk Berlin-Mark Brandenburg kann auf eine stabile Mitgliederentwicklung blicken und verzeichnet ein kontinuierliches Wachstum in den Betrieben. „Die Zahlen hätten wir im letzten Jahr noch weiter gesteigert, wenn nicht die Coronavirus-Pandemie dazwischengekommen wäre“, so der Bezirksleiter. Er dankte allen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Funktionär*innen und Mitgliedern in den Betrieben und Regionen für ihren hohen Einsatz und bat sie weiterhin um ihre Unterstützung.

Landesbezirksleiter Oliver Heinrich sprach ein Grußwort, in dem er dem Bezirk für die gute Arbeit dankte und darauf verwies, dass Ostdeutschland trotz guter Tarifpolitik noch aufholen muss: „Die Angleichung Ost-West ist ein Thema, das wir anpacken werden.“

Der DGB-Vorsitzende von Berlin-Brandenburg, Christian Hoßbach, betonte die gute Zusammenarbeit und stellte dabei besonders die gemeinsamen industriepolitischen Positionen von IG BCE und DGB heraus. Auch für die Ausbildung seien beide Organisationen aufgerufen, gemeinsam Forderungen an Unternehmen und Politik zu stellen.

Mit.Mut.Machen: Geschäftsbericht in Bild und Ton

Bezirksleiter Rolf Erler im filmischen Geschäftsbericht

Für den Blick zurück auf die vergangenen vier Jahre hatte der Bezirk eine besondere Form gewählt: Alle Sekretär*innen des Bezirks präsentierten die Themen als filmischen Geschäftsbericht mit hoher persönlicher Note aller Protagonist*innen. „Unschlagbar“ sei das gewesen, sagte Andrea Sacher, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Bayer in Berlin, die grundsätzlich die hohe Qualität der Anträge und Wortbeiträge auf der Konferenz lobte. Sie selbst konnte eines der ihr am Herzen liegenden Themen direkt an Michael Vassiliadis, den Vorsitzenden der IG BCE und Hauptredner, adressieren: Der Vorstand solle sich stärker um die Einbindung der außertariflichen Beschäftigten in die Gewerkschaft kümmern. In der Pharmabranche beispielsweise habe die IG BCE hier Land verloren, das es zurückzugewinnen gelte. Denn die Betriebsrät*innen der IG BCE vertreten auch diese Arbeitnehmergruppe Tag für Tag – und das müsse sich auch in Stimmen bei den Betriebsratswahlen niederschlagen.

Michael Vassiliadis mit Rede zum Kern der IG BCE

Bezirksdelegiertenkonferenz 2021 - IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis

Mit Zweitkamera im Bild: Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, während der digitalen Bezirksdelegiertenkonferenz in Berlin-Mark Brandenburg

Foto: © Screenhot - Elke Swolinski

Angesichts der Transformation in nahezu allen Branchen sprach der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, über den Kern der IG BCE als Schutzgemeinschaft für die Beschäftigten, als gestaltende Kraft für gute Arbeits- und Lebensbedingungen und als wichtige politische Stimme. Aller rasanten Umbrüche in Richtung Zukunft zum Trotz könne er nicht erkennen, dass irgendeines dieser Kernelemente unbedeutend werden oder der Gewerkschaft die Themen ausgehen könnten. Veränderungen jedoch müsse es geben: Das Mitbestimmungsrecht müsse dringend modernisiert werden und die IG BCE fordere eine Debatte zum geplanten Betriebsrätestärkungsgesetz, das unter anderem die Gründung von Betriebsräten fördern und den Betriebsrät*innen mehr Rechte bei Themen wie Weiterbildung und mobile Arbeit sichern soll. Nicht zuletzt veranschauliche die digitale Bezirksdelegiertenkonferenz, welchen Hebel die IG BCE künftig als Zugang zu den Menschen in einer digitalisierten Arbeitswelt nutzen muss: Das Zugangsrecht der IG BCE zum Betrieb muss um den digitalen Zutritt erweitert werden!

Stimmen aus der Konferenz

„Ein echtes Highlight“ war für Finja-Lee Bethke der Auftritt und die Teilnahme von Michael Vassiliadis an der Konferenz. Sie ist Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Bayer in Berlin und nahm als Delegierte für die Jugend teil. Die Anträge aus dem Bezirksjugendausschuss hätten teils für viel Diskussionen gesorgt, so Finja-Lee Bethke. Sie findet das ein gutes Zeichen: „Wir konnten mit unseren Themen zum Nachdenken anregen.“

Aus Greifswald war Kathleen Hinz zugeschaltet, Betriebsratsvorsitzende der EWN Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH. Wie ist bei ihr die digitale Form der Konferenz angekommen? „Anstrengend, aber auch cool“, so die spontane 

Antwort: „Das Bezirksteam hat das ganz hervorragend gemacht.“ Vermisst hat sie dann aber doch den Plausch am Rande, das Netzwerken und die Gemeinschaft auf Konferenzen, bei denen die Teilnehmer*innen ganz real zusammenkommen.

Netzwerken fand dann allerdings doch statt, wenn auch nicht in der gewohnten Form. Als Peter Weiser, Betriebsratsvorsitzender der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH in Fürstenwalde, über die Schwierigkeiten für Betriebsräte bei fehlender Wertschätzung der Mitbestimmung seitens mancher Unternehmenseigner sprach, meldete sich sogleich ein Konferenzteilnehmer und bat um informellen Austausch dazu.

Bezirksdelegiertenkonferenz 2021 - Konferenzleitung

Die Konferenzleitung hatten Maja Mäcker (50Hertz Transmission), Boris Loew (IG BCE) und Ina Cichowicz (Untergrundspeicher- und Geotechnologie-Systeme) inne (v.l.n.r.)

Foto: © Screenhot - Elke Swolinski

Zu den wenigen Kolleg*innen, die in der Konferenzzentrale in Berlin saßen, gehörte als Mitglied der Konferenzleitung Ina Cichowicz, Betriebsratsvorsitzende der Untergrundspeicher- und Geotechnologie-Systeme GmbH. „Wir waren erstaunt, wie viele Wortbeiträge und Kommentare es gab – teils mehr als bei einer Konferenz vor Ort“, so Ina Cichowicz: „Alle Kanäle wurden genutzt, das war echt spannend.“ Als Mitglied im Bezirksfrauenausschuss hat es sie auch persönlich gefreut, dass die Frauen mehr Sichtbarkeit in den Kommunikationskanälen der IG BCE eingefordert haben und viele wichtige Anträge hin in Richtung Gewerkschaftskongress platzieren konnten.

Für Dieter Keller, Betriebsratsvorsitzender der Total Deutschland GmbH und stellvertretender Bezirksvorstandsvorsitzender, hat die digitale Konferenz bewiesen, dass die IG BCE auch in Krisenzeiten arbeits- und handlungsfähig ist. „Die Konferenz hat zugleich gezeigt, dass sich auch die Arbeit für die Gewerkschaften in Zukunft ändern wird“, so Dieter Keller.

30 Jahre Mitbestimmung in Nordost

Bezirksdelegiertenkonferenz 2021 Heidrun Strüwing

Heidrun Strüwing, Vorsitzende der Ortsgruppe Schwedt, ist eine der Protagonistin*innen im Film „30 Jahre Mitbestimmung“.

Foto: © Andrea Vollmer

Fünf Gewerkschafter*innen aus jedem Bezirk im Landesbezirk Nordost erzählen im Film „30 Jahre Mitbestimmung“ über die rasanten Jahre des Umbruchs in den ostdeutschen Bundesländern nach der Wende und des Aufbruchs in die betriebliche Mitbestimmung. Protagonistin aus Berlin-Mark Brandenburg ist Heidrun Strüwing, einstige Betriebsratsvorsitzende der PCK Raffinerie GmbH Schwedt und heute Vorsitzende der Ortsgruppe Schwedt. Der Film schlägt den Bogen der Mitbestimmung von 1990 bis in die Zukunft. Er wurde in einer Voraufführung in der Konferenz in Berlin-Mark Brandenburg gezeigt. Nach Abschluss aller Delegiertenkonferenzen in Nordost wird er im Internet der IG BCE verfügbar sein.

Lasst uns die Ärmel hochkrempeln und loslegen!

Auf der Konferenz wurde der Bezirksvorstand mit 19 ehrenamtlichen Mitgliedern neu gewählt. Er hat sich umgehend nach der Konferenz neu konstituiert. Ebenfalls wurden die Delegierten für überregionale Gremien und Konferenzen bis hin zum bundesweiten Gewerkschaftskongress gewählt. Die Delegierten stimmten über 18 Anträge ab und folgten mit ihrem Votum in allen Fällen den Empfehlungen der Antragskommission – mit teils lebhaften Diskussionen.

Rolf Erler, Bezirksleiter der IG BCE, zieht ein ausgesprochen positives Fazit: „Wir stehen auf einer guten Basis – als Bezirk und in der Mitgliedschaft. Ich bin dankbar für ein tolles Team an Haupt- und Ehrenamtlichen, die immer wieder zu dem Erfolg unserer IG BCE beitragen. Aber wir haben auch noch viel vor. Lasst uns deshalb die Ärmel hochkrempeln und loslegen: Wir können voller Zuversicht an die vor uns liegenden Aufgaben gehen. Wir werden das MIT.Mut.Machen.

Autorin: Susanne Schneider-Kettelför

Eindrücke von der Bezirksdelegiertenkonferenz 2021