Energiewirtschaft
Vor großen Herausforderungen

In der deutschen Energiewirtschaft (Strom, Gas, Wärme) arbeiten etwa 220.000 Beschäftigte. Die hiesige Stromversorgung basierte im Jahr 2018 zu 35 Prozent auf erneuerbaren Energien, zu 22 Prozent auf Braunkohle, je zu 13 Prozent auf Steinkohle und Erdgas, zu 12 Prozent auf Kernenergie und zu 5 Prozent auf weiteren Energieträgern.

Die aktuellen energiepolitischen Diskussionen in der Bundesrepublik werden hochgradig über das Thema der CO2-Senkung geführt. Aktuell befinden sich die Empfehlungen der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung in der Umsetzung. Im Wesentlichen beinhalten die Kommissionsergebnisse ein Auslaufen der Kohleverstromung bis zum Jahr 2038, bei gleichzeitiger Einleitung des Strukturwandels, insbesondere in den Braunkohleregionen und die soziale Absicherung der Berg- und Energiearbeiter. Zur Absicherung der wirtschaftlichen und sozialen Belange werden nach Einschätzung der Kommission mindestens 90 Milliarden Euro in den beiden nächsten Jahrzehnten zur Verfügung gestellt werden müssen.

Die CO2-Preise im europäischen Emissionshandelssystem haben sich auf etwa 25 € pro Tonne CO2 erhöht. Dieses hat aktuell dazu geführt, dass bei niedrigen Notierungen für Erdgas die Erdgaskraftwerke in der sogenannten Merit-Order günstiger liegen als die Steinkohleverstromung.

Im Wesentlichen profitiert von der Erhöhung der CO2-Preise die Kernenergie, da sie keine CO2-Rechte benötigt. Die aktuellen Preise, auch im Terminmarkt, für die nächsten zwei bis drei Jahre liegen bei 50 €/MWh. Preissetzend liegt CO2 bei etwa 20 bis 25 €/MWh. Ein rein marktgetriebener Zubau von neuen konventionellen Kraftwerken, auch auf Gasbasis, erfolgt derzeit kaum.

Der Ausbau des Übertragungsnetzes in Deutschland kommt weiterhin nur äußerst schleppend voran. Die ursprünglich angedachte Realisierung der notwendigen Nord-Südverbindungen bis etwa Mitte des nächsten Jahrzehnts bzw. bis zum Auslaufen der Kernkraftwerke in 2022 wird nicht mehr zu realisieren sein.

In 2019 ist der Ausbau der Onshore-Windkraftanlagen auf fast null zurückgegangen. Dies wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass sich die Genehmigungsverfahren auf bis zu vier bis fünf Jahre erhöht haben, allerdings dürfte dies nicht der ausschließliche Grund sein. In Ausschreibungsverfahren wurden bestimmte Windkraftprojekte zu Preisen eingeworben, die nach Ansicht vieler Experten nicht kostendeckend zu realisieren sind. Aktuell wird intensiv in politischen Kreisen darüber diskutiert, ob etwa durch ein Maßnahmengesetz oder eine ähnliche Reglung zumindest die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden können.

In 2019 wurde erkennbar, dass das Thema Versorgungssicherheit nicht mehr alleine über den Markt darstellbar ist. Die Kraftwerksreserve der Bundesnetzagentur und abschaltbare Lasten der Industrie, mussten mehrfach aktiviert werden. Die Strompreise für die Verbraucher haben indes weiter angezogen. Ein Rückgang der EEG-Umlage ist weiterhin nicht in spürbarer Größenordnung zu erkennen.

In den kommenden Jahren wird es zu dem Rückbau der ersten EEG-geförderten Anlagen kommen. Wie dieser geschieht und ob die Finanzierung abgesichert ist, wird sich zeigen. Die Energiewirtschaft im allgemeinen, aber insbesondere die Elektrizitätswirtschaft, wird in den nächsten Jahren vor noch größeren Herausforderungen stehen, als in den vergangenen Jahren. Mit dem Kernenergieausstieg werden rund 9 GW CO2-freie Leistung mit einer Arbeit von rund 55 bis 60 TWh CO2-frei ersetzt werden müssen. Mit dem grundsätzlich beschlossenen Kohleausstieg werden erheblichen Kapazitäten an Steinkohle- und Braunkohleleistung aus dem Markt gehen. Diese Lücke wird zu decken sein. Das Thema Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der Strompreise werden neben der Klimadiskussion sicherlich verstärkt in den Fokus der Diskussion rücken müssen.