Keramische Industrie

Heterogene Branche

Die keramische Industrie beschäftigt bundesweit 43.600 Menschen in mehr als 260 Unternehmen. Die Bandbreite der Produkte reicht von Zement über Ziegel bis zur Sanitärkeramik und feinstem Porzellan. Technische Keramik kommt in der Elektro- oder der Autoindustrie zum Einsatz. Hier stieg die Zahl der Beschäftigten zuletzt besonders stark an. 

Porzellanmalerei

Feines Design handgemalt

Foto: © KPM, Berlin

Die Keramische Industrie ist in zwei Obersegmente, in Grob- und Feinkeramik unterteilt.

Zur ersteren gehört die große Gruppe der Baukeramik (zum Beispiel Bau- und Dachziegel, Kanalisationsrohre); diese Produkte sind dickwandig, häufig inhomogen, von oft zufälliger Färbung.

Feinkeramik ist dagegen feinkörnig (Korngröße unter 0,05 mm), von definierter Färbung (zum Beispiel weiß für Haushaltskeramik, Tischgeschirr und Sanitärkeramik); hierher gehören auch die künstlerischen Erzeugnisse. Feinkeramik erfordert bezüglich Aufbereitung der Rohmasse, der Formgebung und des Trocknens sowie Brennens eine erheblich größere Sorgfalt als sie bei der Herstellung von Grobkeramik nötig ist.

Zur Grobkeramik zählen statistisch die beiden Hauptgruppen zur Herstellung von feuerfesten keramischen Werkstoffen und Waren sowie die Produktion von keramischen Baumaterialien.

In der Grobkeramik waren 2019 ca. 23.200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 162 Betrieben beschäftigt, die einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro erwirtschafteten. 

Seit 2015 ist der Umsatz um 11,2 Prozent gestiegen, gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent.

Feuerfeste Erzeugnisse sind die Funktionsfähigkeit von Hochtemperaturprozessen und kommen insbesondere bei der Herstellung von Eisen und Stahl (rund zwei Drittel des Umsatzes im Stahlsegment), in der großtechnischen Schmelzung von Metallen und Glas, Zement, Kalk und Gips zum Einsatz.

Statistisch werden in dem Wirtschaftssegment zur Herstellung von keramischen Baumaterialien u.a. die Produktion von Ziegel und sonstige Baukeramik, erfasst. Grob entfallen auf diesen Bereich zwei Drittel der ökonomischen Aktivitäten.

Führende keramische Wirtschaftssegmente in der grobkeramischen Industrie hinsichtlich der    Anzahl der Beschäftigten und des Umsatzes sind die Bereiche der feuerfesten keramischen Werkstoffe mit 6.027 Arbeitsplätzen in 43 Betrieben und einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und das Segment der Ziegel- und Baukeramik mit 6.228 Arbeitsplätzen in 54 Betrieben und einem Umsatz 2019 von 1,2 Milliarden Euro.

Weitere Segmente sind die Zementindustrie mit 7.740 Beschäftigten und einem Umsatz von     2,7 Milliarden Euro sowie die Kalk- und Gipsindustrie mit 3.214 Beschäftigten mit einem Umsatz von 814,9 Millionen Euro.  

Die deutsche Zementindustrie spielt eine wichtige Rolle im breiten Spektrum der Baustoffindustrie und nimmt eine entscheidende Position der gesamten Wertschöpfungskette Bau ein. Mit einem Mix aus mittelständischen und großen Unternehmen gliedert sich die deutsche Zementindustrie insgesamt in 20 Unternehmen und 43 Betrieben. Im Jahr 2019 haben die Zementwerke ein Umsatz von rund 2,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Seit 2015 wurde der Umsatz um 18 Prozent gesteigert, 2019 erhöhte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent.

Diese Umsatzsteigerungen spiegelt die anhaltende Baukonjunktur wieder, und ist somit ein wesentlicher Wirtschaftstreiber der deutschen Wirtschaft.

Konjunkturelle Entwicklung der deutschen feinkeramischen Industrie

Die Feinkeramische Industrie ist einem starken Anpassungsdruck und einer schwankenden Marktsituation ausgesetzt. Bereits seit Jahrzehnten ist die Zahl der Unternehmen und Beschäftigten stetig rückläufig. Dabei spielen Änderungen der Nachfragestruktur und Wettbewerbsfähigkeit eine große Rolle. Durch die Öffnung der europäischen Märkte für feinkeramische Produkte, insbesondere aus China, haben sich die Wettbewerbsbedingungen erheblich verschärft.

Auf Grund der bisherigen Automatisierung der Fertigung, konnten die hohen Arbeitskosten, auf die nahezu die Hälfte der Gesamtkosten entfielen, teilweise kompensiert werden. Hinzu kommen die seit Jahren steigenden Energiekosten. Die Branche ist sehr energieintensiv. Dies entwickelt sich mehr und mehr zum Wettbewerbsnachteil für die hiesige Industrie.

Die Feinkeramische Industrie setzt sich aus vier Hauptsegmenten zusammen: Geschirr- und Ziergegenstände, Sanitärkeramik, Wand- und Bodenfliesen sowie die technische Keramik. Die technische Keramik ist wiederum in zwei Segmenten unterteilt. Zum einen die technischen keramischen Werkstoffe und zum anderen die elektrischen Isolatoren und Isolierteile.

Die feinkeramische Industrie verzeichnete 2019 in den einzelnen Segmenten einen uneinheitlichen Verlauf. Im Einzelnen war folgende Entwicklung gegenüber dem Vorjahr eingetreten: Der Umsatz erhöhte sich um 2,5 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres hat sich die Anzahl der Beschäftigten mit 20.432 und die Anzahl der Betrieb mit 99 stabilisiert. Dies hatte zur Folge, dass der Umsatz pro Beschäftigten um 2,2 Prozent gestiegen ist.

Wobei die technische Keramik mit einem Beschäftigtenaufbau von 6,4 Prozent und einem Umsatzplus von 6,6 Prozent den Beschäftigtenabbau sowie dem Umsatzrückgang in den anderen Segmenten mehr als kompensiert hat. Die technische Keramik ist mit ca. einem Drittel des Umsatzes das stärkste Segment.

Mit der Herstellung von Wand- und Bodenfliesen wurde 2019 ein Umsatz von 597,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Umsatz liegt mit 5,4 Prozent unter dem Jahresvergleich zu 2018. Die Anzahl der Beschäftigten nahm im gleichen Zeitraum 1,1 Prozent ab. Weniger Umsatz konnte im Auslandsgeschäft (-6,3 Prozent) und Inlandsgeschäft (-6,0 Prozent) erwirtschaftet werden. Insgesamt war es für die Fliesenhersteller ein sehr schwieriges Jahr 2019. Die Branche rechnet mit weiteren Kapazitätsanpassungen.

Die Fertigung von Haushaltswaren- und Ziergegenständen stieg erfreulicherweise 2019 um    3,1 Prozent an. Damit konnte der Negativtrend der letzten beiden Jahre zumindest gestoppt werden. Sowohl In- und Ausland tragen mit Umsatzgewinnen zu dem positiven Jahresergebnis bei. Während die Umsätze im Inland um 2,3 Prozent gesteigert wurden, konnten im Export Zuwächse in Höhe von 3,5 Prozent erreicht werden. Positiv auf das Umsatzergebnis haben sich die Preiserhöhungen ausgewirkt. Im Jahresdurchschnitt sind die Erzeugerpreise um durchschnittlich 2,6 Prozent angehoben wurden.

Die Beschäftigtenzahl sank in den letzten Jahren stetig. Im Jahr 2019 verringerte sich die Anzahl der Beschäftigten um weitere 3,6 Prozent auf nunmehr 4.940. Positiv auf das Umsatzergebnis haben sich die Preiserhöhungen ausgewirkt. Im Jahresdurchschnitt sind die Erzeugerpreise um durchschnittlich 2,6 Prozent angehoben wurden. Die Lohnstückkosten konnten im Laufe des Jahres um ca. 2 Prozent gesenkt werden und die Produktivität stieg um ca. 3 Prozent.

Der Wirtschaftszweig der Sanitärkeramik konnte die positive Entwicklung aus 2018 fortsetzen. Nach einem schwierigem Start 2019 konnte der Umsatz zum Ende 2019 um 2,7 Prozent gesteigert werden. Der Aufschwung des Inlandsumsatzes von 3,1 Prozent und Auslandsumsatzes von 2,6 Prozent hat zum positiven Gesamtergebnis beigetragen.

Die Anhebung der Erzeugerpreise von zuletzt durchschnittlich 1,2 Prozent fiel im Jahr 2019 geringer aus als in den Jahren zuvor. Die Beschäftigtenzahl hat sich kaum verändert.

Die größte Gruppe in der feinkeramischen Industrie ist der Bereich der technischen Keramik. Zu ihr gehören die Herstellung von keramischen Erzeugnissen für technische Zwecke sowie die Herstellung von Isolatoren und Isolierteile aus Keramik.

Die technische Keramik entwickelt sich weiter positiv. Während die Hersteller für sonstige technische Keramik ihren Wachstumskurs fortsetzen, erholen sich die Hersteller von Isolatoren weiter.

Der Umsatz konnte 2019 für die technische Keramik um weitere 6,6 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert werden. Der Auslandsumsatz stieg mit 7,7 Prozent stärker als der Inlandsumsatz mit 5,2 Prozent. Die Beschäftigtenzahl stieg insgesamt um 6,4 Prozent auf 6.286 Personen an.

Besonderen Auftrieb brachten die Bestellungen aus dem In- und Ausland für die keramischen Erzeugnisse für technische Zwecke, die einen Umsatzzuwachs 2019 von 9,5 Prozent verbuchten. Der Auslandsumsatz stieg um 10,4 Prozent und der Inlandsumsatz um 8,8 Prozent. Die Anzahl der Beschäftigten stieg in diesem Segment um 10,3 Prozent auf 3.723. Somit konnte der hohe Verlust von Arbeitsplätzen in 2016 (- 20,4 Prozent) weitgehend ausgeglichen werden.

Bei den Herstellern für Isolatoren und Isolierteile aus Keramik ist der Umsatz im Jahr 2019 um 1,6 Prozent gesunken. Die starke Entwicklung im Auslandsumsatz von 4,4 Prozent kompensierte die schwache Inlandsnachfrage (-0,7 Prozent).

Während die Erzeugerpreise bei den Isolatorenherstellern um durchschnittlich 2,7 Prozent nachgaben, stieg das Preisniveau für keramische Erzeugnisse für technische Zwecke um 1,9 Prozent. Anfang 2020 scheint sich eine leichte Preiserholung anzudeuten.

Perspektiven der deutschen feinkeramischen Industrie

Die Entwicklung der Konsumausgaben und damit auch die Nachfrage für Erzeugnisse der feinkeramischen Industrie, insbesondere für Porzellan, Sanitär und Fliesen, hängt im Wesentlichen von der Entwicklung des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte ab. Wachstumsimpulse werden vor allem von der Binnennachfrage und der Baukonjunktur erwartet.

Obwohl in den Produktionsverfahren in der feinkeramischen Industrie große technologische      Verbesserungen in den letzten Jahren stattfanden, stellt die technische Keramik heutzutage den dynamischsten Teil der keramischen Industrie dar.

Wesentliche Treiber in der technischen Keramik sind aktuell

  • die Elektronik
  • der Automobilsektor
  • die Energietechnik
  • die Medizintechnik

Keramische Werkstoffe haben sich in Anlagen- und Maschinenbau wegen ihrer herausragenden Härte, Verschleißfestigkeit, Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit sowie spezieller funktionaler Eigenschaften vielfach durchgesetzt. Da sie in der Korrosionsbeständigkeit fast alle metallischen Werkstoffe übertreffen, sind keramische Werkstoffe besonders Vorteilhaft für die chemischen Verfahrenstechniken.

Der internationale Wettbewerb wird in allen Segmenten der feinkeramischen Industrie zu verstärktem Innovationsdruck führen. Einerseits werden schnellere und kostengünstigere Fertigungstechniken und Herstellverfahren benötigt. Anderseits gilt es, den Wirkungsgrad der Maschinen und Anlagen durch Verringerung der Ressourcen- und des Energieverbrauches zu steigern.