Papier- und Zellstofferzeugung

Ein nachhaltiges Produkt

Die deutsche Papierindustrie beschäftigt rund 37.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 146 Unternehmen (über 50 Beschäftigte). 2020 hat die Branche einen Umsatz von 15,1 Milliarden Euro erwirtschaftet und ca. 21,5 Millionen Tonnen Papier produziert und abgesetzt. Die papiererzeugende Industrie gehört zu den rohstoff-, energie- und kapitalintensiven Industrien im Land. 

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Foto: © IG BCE / Colourbox.de

Wie andere Industrien des verarbeitenden Gewerbes, insbesondere die energie- und handelsintensiven Industrien in Deutschland, ist die Papierindustrie stark von gesellschaftlichen Transformationsanforderungen und -trends betroffen. Dies sind auf der einen Seite die Globalisierung, die Digitalisierung und der demografische Wandel. Auf der anderen Seite fordern die wachsenden deutschen und europäischen klima- und energiepolitischen Anforderungen die Branche stark heraus. Sie beeinflussen Produktionsstrukturen, Belegschaften, Kundenerwartungen, Lieferketten sowie die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen tiefgehend.

Die Papierindustrie ist führend in Europa und die Nummer vier in der Welt nach China, den USA und Japan. Gut 60 Prozent der Waren gehen in den Export. Verpackungen und grafische Papiere machen bis heute den Löwenanteil des Geschäfts aus, aber auch Hygieneartikel und selbst Hightech-Komponenten für die Autoindustrie hat die Branche im Angebot. Zu mehr als drei Vierteln decken die Unternehmen ihren Bedarf heute aus Altpapier.

Die gesamtwirtschaftlich abgekühlte Entwicklung auf Grund der Corona-Pandemie spiegelt sich auch in der deutschen Papierindustrie wieder. Nach einer ersten zaghaften Belebung im III. Quartal als Reaktion auf den harten Lockdown kam der weitere Erholungsprozess allerdings nur mühsam voran. Die Steigerungen im III. und IV. Quartal konnten die Verluste des laufenden Jahres und im Vergleich zum Vorjahr nicht ausgleichen. Im Jahr 2020 exportierte die Branche Produkte aus Papier, Pappe, und Waren im Wert von ca. 6,1 Milliarden Euro. Die Exportquote liegt bei 59 Prozent und ist gegenüber den Vorjahren stabil.

Die Beschäftigtensituation hat sich 2020 nicht verbessert. Effektiv ist die Beschäftigtenzahl um 3,5 Prozent zum Vorjahr gesunken. Wesentliche Gründe für den Beschäftigtenrückgang sind zum einen die Betriebs- und Betriebsteilschließungen sowie der über die Branche verteilte Personalabbau. Auch die Nachfrage der Unternehmen, die etwa Hygienepapier herstellen und durch die Corona-Pandemie einen kurzfristigen Personalbedarf erlebten, konnte insgesamt den Abwärtstrend nicht aufhalten. Ein wichtiger Indikator für die Beschäftigtenentwicklung ist das tatsächlich verfügbare Arbeitsvolumen. Dieses ging 2020 gegenüber dem Vorjahr um 5,4 Prozent zurück. Neben dem Personalabbau ist ein weiterer Grund für den Rückgang die verstärkte Inanspruchnahme von Kurzarbeit sowie tarifliche und betriebliche Arbeitszeitinstrumente.

Die Papierindustrie kommt sehr unterschiedlich aus der Hochphase der Corona-Krise. Bei den Hygienepapierherstellern und den Herstellern von Verpackungspapieren hat es in der Krise für Artikel der Grundversorgung wie Lebensmittel und Pharmaprodukte eine teilweise deutlich erhöhte Nachfrage gegeben, da die Kunden Sorge hatten, nicht mehr beliefert zu werden. Jetzt sind die Lager voll und die Nachfrage geht deutlich zurück. Gleichzeitig springt die industrielle Produktion nur langsam wieder an. Entsprechend steigt dort die Nachfrage nach Verpackungen noch nicht so wie erhofft. Diese Segmente wurden auf Grund der Corona-Pandemie als systemrelevant eingestuft.

Die Hersteller grafischer Papiere leiden deutlich unter dem in der Krise eingebrochenen Werbemarkt. Zeitungen haben an Umfang und Auflage verloren, Anzeigenblätter wurden z.T. eingestellt. In der Werbung wurden bestellte Papiermengen vereinzelt nicht abgerufen. Zudem ist zu vermuten, dass das Homeoffice den Trend zur digitalen Mediennutzung verstärkt hat.

Einschätzung Altpapiermarkt

Die deutsche Papierindustrie hat 2020 insgesamt 16,9 Millionen Tonnen Altpapier eingesetzt, das sind 1,3 Prozent weniger gegenüber dem Vorjahr. Die Altpapiereinsetzungsquote hat sich mit 76 Prozent stabilisiert. 

Insgesamt bleibt die Situation auf dem deutschen Altpapiermarkt weiterhin angespannt. Die starke Nachfrage aus dem Verpackungspapierbereich, sinkende Erfassungsmengen und Sorgen um die künftige Versorgungssituation werden dazu führen, dass die Altpapierpreise weiter steigen werden. Auch angesichts der Verlängerung des Lockdowns bis in den April 2021 wird für das 1. Halbjahr 2021 nicht mit einer spürbaren Verbesserung bei den Erfassungsmengen gerechnet.

Einschätzung Zellstoffmarkt

Die Zellstoffpreise sind im Jahresdurchschnitt seit 2018 um 42,1 Prozent zurückgegangen. Die rückläufige Produktion von Zellstoff ist im Wesentlichen auf die unterschiedliche Nachfrage aus den Papierfabriken zurückzuführen. Auch wenn die Produktion im 1. Halbjahr 2020 zum Vorjahresvergleich um 5,2 Prozent rückläufig war, erholte sie sich ab dem III. Quartal zunehmend. Im Jahresvergleich sank jedoch die Produktion von Zellstoff gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent.

Nachdem sich die Nachfrage nach Zellstoff (Lang- und Kurzfaser) weiter verstärkt hat, werden die Preise ab Januar 2021 kräftig zulegen. Es wird mit einer Preissteigerung von bis zu zehn Prozent gerechnet. Auch bei Eukalyptuszellstoff werden die hohe Nachfrage und sich verknappende Vorräte für einen regelrechten Preissprung von bis zu zwölf Prozent sorgen.

Trends und Themen der Branche:

  • In der Forschung und Entwicklung gewinnen Effizienzsteigerungen in den Bereichen Energie und Rohstoffe an Bedeutung. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bleiben ökologische Hauptthemen.
  • Die starke internationale Konkurrenz großer Konzerne aus Europa, Amerika und Japan sorgt für eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. Zukünftige Prozessoptimierungsmaßnahmen werden eine entscheidende Rolle spielen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verteidigen.
  • Der Nachhaltigkeitsaspekt muss über die gesamte Wertschöpfungskette stärker in den Fokus rücken.
  • Durch den hohen Energieverbrauch der Hersteller wird die Branche überdurchschnittlich stark von Maßnahmen zur Energiewende betroffen.
  • Zielgerichtete Investitionen und Innovationen sind notwendig, um die gute Stellung der deutschen Papierhersteller im starken internationalen Wettbewerb zu behaupten.
  • Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel machen sich auch in der Papierindustrie bemerkbar. Hier gilt es durch eine kluge Personalpolitik der Unternehmen sowie durch Maßnahmen, die die Attraktivität der Branche erhöhen, entgegenzusteuern.

Hinweise:
Die Angaben beziehen sich auf Daten des statischen Bundesamtes. Bei der Erhebung der Daten sind Betriebe ab 50 Beschäftigte erfasst. Weitere Angaben: VDP und EUWIED.