Papier- und Zellstofferzeugung
Ein nachhaltiges Produkt

Die deutsche Papierindustrie beschäftigt rund 38.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 151 Unternehmen. 2019 hat die Branche einen Umsatz von 16,4 Milliarden Euro erwirtschaftet und ca. 22 Millionen Tonnen Papier produziert und abgesetzt.

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Foto: © IG BCE / Colourbox.de

Die deutsche Papierindustrie bleibt im weltweiten Vergleich weiterhin die Nummer vier nach China, den USA und Japan und die Nummer eins in Europa.

Die gesamtwirtschaftlich abgekühlte Entwicklung spiegelt sich auch in der deutschen Papierindustrie wieder. Die Produktion ist im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent zurückgegangen. Der steigende Umsatz aus 2018 konnte nicht fortgesetzt werden. Dieser sank 2019 gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent. Sinkende Zellstoffpreise haben die Gewinne der Hersteller 2019 schrumpfen lassen.

Der Exportanteil an der gesamten Papierproduktion liegt am Umsatz gemessen bei etwa 59 Prozent. 2019 sank der Auslandsumsatz um 3,9 Prozent, wobei der Inlandsumsatz mit 6,4 Prozent stärker gesunken ist als der Auslandsumsatz.

Die deutsche Papierindustrie exportiert einen großen Teil ihrer Produkte und unterliegt daher den weltwirtschaftlich und handelspolitischen Rahmenbedingungen. Die abflauende Weltwirtschaft, der Handelskrieg zwischen China und den USA sowie die unklaren Auswirkungen eines ungeregelten Brexit, sind einige Indikatoren, die sich negativ auf den Export auswirken.

Die Beschäftigtensituation hat sich 2019 weiter verbessert. Effektiv ist die Beschäftigtenzahl um 2,1 Prozent auf 38.398 zum Vorjahr gestiegen. Der Anstieg dürfte mit der Inbetriebnahme neuer Fabriken, aber auch durch die gesetzlichen Änderungen für Leiharbeiter verursacht sein. Der Facharbeitermangel macht sich immer deutlicher in vielen Unternehmen bemerkbar.

Die Entwicklung der deutschen Papierindustrie war in den einzelnen Sortenbereichen sehr unterschiedlich. Es gibt rund 3000 verschiedene Papiersorten – unterteilt in vier Sortenbereichen: Verpackungspapiere, graphische Papiere, Hygienepapiere und für technisch und spezielle Anwendungen.

Der Anteil der Verpackungspapiere an der Produktion hat sich 2019 auf ca. 55 Prozent erhöht und stellt damit das größte Segment der deutschen Papierindustrie dar. Seit einigen Jahren konnten hier bereits Produktionssteigerungen verbucht werden. So wurden 2019 insgesamt 12,1 Millionen Tonnen im Bereich der Verpackungspapiere produziert, was eine leichte Zunahme von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht und somit das einzige Segment mit einer leichten Steigerung der Produktion ist. Auch der Absatz ist mit 12,0 Millionen Tonnen um 1,9 Prozent gestiegen. Der Auslandsabsatz ist mit 5,9 Prozent am stärksten gestiegen. 

Bei den grafischen Papieren, die mit einem Anteil von 32 Prozent an der Papierproduktion die zweitgrößte Produktgruppe darstellen, hat sich die negative Entwicklung fortgesetzt. Das Produktionsvolumen reduzierte sich 2019 im Vergleich zu Vorjahr um 8,3 Prozent auf 7,1 Millionen Tonnen. Hauptursache sind die fortschreitenden Änderungen im Mediennutzungsverhalten der Verbraucher. Trotz bereits erfolgter Kapazitätsanpassung zeigt sich der Markt wenig stabil. 

Die Hygienepapiere haben einen Anteil von 6,8 Prozent an der Gesamtproduktion und hat sich gegenüber dem Vorjahr stabilisiert. Der leichte negative Trend aus 2018 hat sich 2019 mit 0,6 Prozent fortgesetzt. Die gefallenen Zellstoffpreise, der Kampf um Marktanteile und die Überkapazität auf dem Markt, scheinen den Produzenten zu schaffen zu machen. Laut Prognose wird im Jahr 2023 ein Marktvolumen von ca. 5,2 Milliarden Euro erreicht, dies entspricht einem jährlichen Umsatzwachstum von ca. 1,3 Prozent. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl werden in diesem Marktsegment im Jahr 2020 etwa 60 Euro umgesetzt.

Die technischen und Spezialpapiere, die einen Anteil von 6,3 Prozent ausmachen und eine Vielzahl von Produkten umfassen, konnten nach einem eher enttäuschenden Jahr 2018 den Negativtrend 2019 nicht aufhalten. Die Maschinenproduktion sank um 2,8 Prozent auf ca.1,4 Millionen Tonnen. Der Absatz ist mit 1,4 Millionen Tonnen um 2,9 Prozent gesunken. Der Auslands- und der Inlandsabsatz sind mit 2,9 Prozent gleich gesunken.

Einschätzung Altpapiermarkt

Die deutsche Papierindustrie hat 2019 insgesamt 17,2 Millionen Tonnen Altpapier eingesetzt. Die Altpapiereinsetzungsquote hat sich mit 76 Prozent stabilisiert.

Insgesamt bleibt die Situation auf dem deutschen Altpapiermarkt weiterhin angespannt. Ein deutliches Überangebot, schwache Nachfrage seitens der Verarbeiter und Preisdruck kennzeichnen den deutschen Altpapiermarkt. Die Altpapierpreise gaben im Laufe des Jahres 2019 mit ca. 23 Prozent stark nach. Wobei die Preise bei den Massensorten, vor allem aber bei den höherwertigen Altpapierqualitäten nicht gehalten werden. Eine Besserung der Situation ist nicht in Sicht. Nach Einschätzung von Euwid, deuten die Prognosen für Altpapierpreise stark nach unten.

Einschätzung Zellstoffmarkt

Die sommerliche Ruhe herrschte nur bei der Nachfrage, nicht bei den Preisen. Der Markt hat sich 2019 gegenüber den Rekordergebnissen 2018 komplett gedreht, die Nachfrage nahm merklich ab. Die Zeichen standen zum Jahresausklang 2019 wieder auf Preisstabilität, nachdem im Laufe des Jahres 2019 die Preise um durchschnittlich 16 Prozent gesunken sind.

Der auf Lieferantenseite erhoffte deutliche Nachfrageschub aus der Papierindustrie ist ausgeblieben. Die Verarbeiter hatten keine Probleme, weitere Preisreduzierungen für Langfaser- und Kurzfaserzellstoff zu erzielen. Auf Grund des hohen Angebotes und die damit verbundenen weiteren Preisrücknahmen für Sägerestholz sind Gründe für den sinkenden Zellstoffpreis. Eine deutliche Entlastung auf den Restholzmärkten findet derzeit nicht statt. Mit einer Fortdauer der derzeitigen Marktsituation bis ins kommende Jahr wird aber nicht gerechnet.

Die Erwartung, dass China deutlich anziehen wird, hat sich bestätigt. Die Lieferungen nach China sind mit durchschnittlich7,5 Prozent am stärksten gestiegen. Westeuropa folgt mit durchschnittlich 5 Prozent. Ob sich dieser Trend 2020 fortsetzen lässt, wird im erheblichen Umfang von den Auswirkungen des Coronavirus abhängen.