Tarifrunde Papier startet
Voraussetzungen in der Branche sehr unterschiedlich

Wohl noch nie standen die Papierbranche und ihre Produkte so sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit wie in diesem Jahr, als während des Lockdowns der Corona-Krise die Menschen Toilettenpapier bunkerten und die Supermarktregale leer kauften. Die Hersteller kamen mit der Produktion kaum hinterher, die Beschäftigten mussten Überstunden leisten. Das galt aber nicht für alle 40.000 Beschäftigten in der Papier erzeugenden Industrie Deutschlands. Bierdeckel zum Beispiel wurden deutlich weniger gebraucht, gekauft und produziert, weil Kneipen und Gaststätten wochenlang geschlossen waren.

Einführung Tarifrunde Papier
Foto: © IG BCE

Sehr gemischte Verhältnisse vor der diesjährigen Tarifrunde Papier also, unter denen die Bundestarifkommission am 23. Juli ihre Forderung beschließt. Eines ist aber für IG-BCE-Verhandlungsführer Frieder Weißenborn klar: „Weltuntergangsszenarien werden wir in der Tarifrunde als IG BCE keinen Raum geben. Wir haben berechtigte Forderungen.“ Er betont: „Wenn man ein verlässlicher Sozialpartner sein möchte, dann muss in dieser Tarifrunde etwas für die Kolleginnen und Kollegen rausspringen, insbesondere weil viele exorbitante Leistungen in der Hochphase der Corona-Krise vollbracht haben.“ Deshalb fordert Weißenborn eine Wertschätzung der Corona-Helden und unterstreicht: „Die Arbeitgeber müssen sich klar machen, dass es nur mit ordentlichen Tarifen und guter Arbeit möglich ist, die Köpfe der Zukunft zu gewinnen und zu behalten.“

Das sieht Frank Gottselig, der Betriebsratsvorsitzender bei Essity in Mannheim, genauso. Die 2000 Beschäftigten des Hygienepapierherstellers produzieren dort unter anderem Produkte der Marken Tempo und Zewa. „Zu Hochzeiten der Corona-Krise mussten wir unsere Produktion angesichts der gestiegenen Nachfrage nach Hygieneartikeln steigern“, berichtet Gottselig. „Das war ein Kraftakt.“ Aber auch die aktuelle Situation sei kompliziert: „Mitbewerber im Hygienebereich meldeten im ersten Quartal bereits Kurzarbeit an.“ Der Einbruch nach dem Hoch, weil die Menschen nun erstmal ihre gebunkerten Toilettenpapierrollen aufbrauchen, bevor sie neue kaufen.

Die Papierbranche ist sehr divers: Rund 3000 verschiedene Papiersorten gibt es, unterteilt in vier Bereiche. Mehr als die Hälfte aller produzierten Papiere sind für Verpackungen. Grafische Papiere machen rund 32 Prozent aus, ihr Anteil wird aber wegen der sinkenden Nachfrage nach Zeitungen und Magazine immer geringer. Hygienepapiere, also etwa Toilettenpapier und Küchenrolle, haben einen Anteil von sieben Prozent an der Gesamtproduktion. Zu technischen und Spezialpapieren (sechs Prozent an Papierproduktion) zählen zum Beispiel Papiere für Etiketten, Filter, Teebeutel oder Zigaretten.



Betriebsräte-Umfrage zur Lage in den Papierunternehmen

In der vergangenen Tarifrunde im März 2019 hatten wir uns mit den Arbeitgebern darauf geeinigt, Löhne und Gehälter um drei Prozent zu erhöhen. Die Azubi-Vergütungen stiegen überproportional, pauschal um 50 Euro. Das Urlaubsgeld für Vollzeitbeschäftigte wurde ab dem 1. Januar 2020 auf 1200 Euro verdoppelt und für Auszubildende auf 900 Euro angehoben. Die Laufzeit betrug 18 Monate. Vereinbart wurde außerdem ein Fahrplan für einen neuen Entgeltrahmentarifvertrag, der einen Tarifwandel in der Papierindustrie einleiten soll. Die bestehenden Lohn- und Gehaltsrahmentarifverträge sollten abgelöst werden, um eine Gleichstellung zwischen qualifizierter gewerblicher Tätigkeit (Löhne) und Angestelltentätigkeit (Gehälter) zu erreichen.


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