Forderungsbeschluss in der Chemie-Tarifrunde

Mehr Kaufkraft, mehr Wertschätzung, mehr Sicherheit: Bundestarifkommission beschließt Forderung für Verhandlungen in der Chemieindustrie

Eine nachhaltige Steigerung der Kaufkraft, mehr Wertschätzung für Schichtarbeit, Investitionen in den Fachkräftenachwuchs und ein ausbalanciertes Konzept für gute mobile Arbeit: Diese Forderungen stellt die IGBCE in den Mittelpunkt der bevorstehenden Tarifverhandlungen für die 580.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Das hat die Bundestarifkommission heute (22. Februar 2022) einstimmig auf einer digitalen Sitzung beschlossen. Dem vorausgegangen war eine intensive Diskussion der IGBCE-Mitglieder in den Betrieben über die Ende November formulierte Empfehlung des Hauptvorstandes.

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„Die Branche ist nicht nur bestens ausgelastet und verdient glänzend, sie hat meist auch die aktuellen Preissteigerungen problemlos an ihre Kunden weiterreichen können“, berichtet der stellvertretende IGBCE-Vorsitzende Ralf Sikorski. Ihre Beschäftigten dagegen hätten diese Option nicht, sie seien der aktuellen Teuerungswelle ungeschützt ausgeliefert. „Wir wollen für unsere Mitglieder ein Bollwerk gegen die Inflation errichten“, so der IGBCE-Verhandlungsführer. „Deshalb steht außer Frage, dass am Ende dieser Tarifrunde bei Entgelten und Ausbildungsvergütungen ein Plus oberhalb der Teuerungsrate stehen muss.“  

Sikorski machte deutlich, dass zusätzliche Investitionen ins Personal im ureigenen Interesse der Branche seien. In einer aktuellen Umfrage berichten zwei von drei IGBCE-Betriebsräten, dass für ihre Unternehmen der Fachkräftemangel bereits zu den drängendsten Problemen zähle. „Das sollte den Betrieben ein Weckruf sein“, sagte der stellvertretende IGBCE-Vorsitzende. „Sie brauchen dringend eine Investitionsoffensive – mit Blick auf ihre Attraktivität als Arbeitgeber, die Wertschätzung ihrer Beschäftigten, die Nachwuchsarbeit.“

Auch deshalb sieht der Forderungsbeschluss eine Erhöhung der Schichtzuschläge für die Beschäftigten in Nachtschichten auf einheitlich 25 Prozent vor. „Es waren die Schichtarbeiter, die in der Pandemie 24/7 den Laden am Laufen gehalten haben, während ihre Vorstände im Homeoffice arbeiten konnten“, so Sikorski. Heute sei Schichtarbeit für junge Menschen unattraktiver denn je. „Wir müssen und werden das ändern.“

In der Corona-Krise hatten zudem viele Unternehmen ihre Ausbildungsanstrengungen zurückgefahren. Das sei nicht nur ein falsches Signal an die junge Generation, sondern auch betriebswirtschaftlicher Unsinn, machte Sikorski deutlich. Die IGBCE will deshalb den Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg" weiterentwickeln und im Rahmen des Unterstützungsvereins der chemischen Industrie (UCI) neue Fördermöglichkeiten zur Ausbildung Jugendlicher schaffen.

Zudem will die IGBCE in der industriellen Transformation Sicherheit und Schutz für ihre Mitglieder gewährleisten und gute mobile Arbeit für die Zukunft gestalten. „Die Transformation wird in den kommenden Jahren die Arbeitswelt massiv verändern“, so Sikorski. Das Thema mobile Arbeit sei ein erster sichtbarer Beleg dafür. „Wer die Menschen im Veränderungsprozess mitnehmen will, muss soziale Sicherheit und gute Arbeit verbindlich mitdenken.“ So bedürfe es klarer tariflicher Leitplanken für betriebliche Vereinbarungen, „damit wir für die gesamte Branche zu einheitlichen Qualitätsanforderungen an gute mobile Arbeit kommen“.

Der Forderungsbeschluss, der eine Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten vorsieht, bildet die Grundlage für die Tarifverhandlungen, die am 2. März zunächst auf regionaler Ebene beginnen, bevor am 21. März in Hannover erstmals auf Bundesebene gesprochen wird.

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