12. Betriebsrätetag

Preise für B.Braun und Hewing

Trotz Pandemie fand in Bonn der Betriebsräte-Tag statt - digital. Der renommierte Deutsche Betriebsräte-Preis wurde dabei ebenfalls verliehen. Dabei konnten sich unter anderem die IG-BCE-Betriebe B.Braun und Hewing durchsetzen.

Deutscher Betriebsräte-Preis 2020

Der Betriebsrat von B. Braun war live zugeschaltet. 

Foto: © Deutscher Betriebsräte-Tag

„Dafür, dass Sie in dieser schwierigen Zeit Verantwortung übernehmen, danke ich Ihnen herzlich.“ Mit diesen Worten richtete sich Bundesarbeitsminister und Schirmherr des Preises Hubertus Heil direkt an die Betriebsräte. Zum 12. Mal in Folge hat in Bonn die bundesweit bedeutendste Tagung für Betriebsräte stattgefunden - anders als sonst üblich aber nicht als dreitägige Präsenzveranstaltung, sondern als digitales Format. Übertragen wurde die Veranstaltung aus dem altehrwürdigen Bonner Plenarsaal. Dem Interesse am Betriebsräte-Tag schadete das nicht. Unter dem Motto "100Jahre BR – Neue Wege aus der Krise“ diskutierten die etwa 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer online über die Zukunft der Betriebsratsarbeit in Deutschland.

Im Rahmen der Tagung wurden auch wieder Betriebsratsgremien für ihre wichtige und erfolgreiche Arbeit mit dem renommierten Deutschen Betriebsräte-Preis geehrt. Aus über 90 Bewerbungen hatte die Jury Ende Mai zwölf Arbeitnehmervertretungen ausgewählt. Die Auszeichnung wird je einmal in den Kategorien Gold, Silber und Bronze verliehen. Zusätzlich gibt es einen Publikumspreis und verschiedene Sonderpreise. Neben den zehn gesetzten Projekten, die aus der regulären Bewerbungsrunde den Sprung auf die Liste geschafft haben, nominierte die Expert*innenrunde zusätzlich zwei weitere Gremien für einen Corona-Sonderpreis. Dafür konnten sich Betriebsratsgremien bis Ende August 2020 bewerben. Mehr als 40 Projekte wurden zusätzlich zur pandemiebedingten Mitbestimmungsinitiativen eingereicht.

Der Betriebsrat der B.Braun Melsung AG wurde mit dem Corona-Sonderpreis für sein Engagement im Umgang mit der Corona-Pandemie ausgezeichnet. Die Kombination aus erhöhter Auftragslage und zusätzlichen Arbeitsschutzmaßnahmen stellte den systemrelevanten Medizintechnikhersteller B.Braun zu Beginn der Pandemie vor enorme Herausforderungen. Die Steigerung der Produktionsleistung bei OP- und Untersuchungshandschuhen sowie Desinfektionsmittel, Narkosemitteln und anderen Produkten für die Intensivmedizin konnte in der Corona-Krise nur mit zusätzlichen Arbeitsschutzmaßnahmen gelingen.

Dass der Spagat bei B.Braun so vorbildlich funktionierte, lag auch an den Schlussfolgerungen aus vergangenen Pandemien. „Nachdem das SARS-Virus in den 2000er Jahren aufkam, ging bei uns die Sorge um, dass solche Erreger unsere Arbeit beeinflussen könnten“, sagt Mike Schwarz, Betriebsratsmitglied der B. Braun Melsungen AG. Deshalb habe man sich dazu entschlossen, sich für den Fall einer starken Pandemie entsprechend vorzubereiten. „Wir haben dann grundlegende Arbeitsschutzmaßnahmen definiert und Verantwortlichkeiten geklärt, die dafür sorgen, dass der Krisenstab schnell seine Arbeit aufnehmen kann.“ Damit auch die Mitbestimmungsprozesse krisensicher sind, ist der Betriebsrat in dem Stab vertreten. 

Deutscher Betriebsräte-Tag 2020

„Die Vielzahl der getroffenen Maßnahmen haben unser Unternehmen in einer Phase, in der es auf Höchstlast fährt, gut aufgestellt“, sagt Mike Schwarz. „Durch das proaktive Handeln von Betriebsrat und Arbeitgeberseite konnten wir gemeinsam die Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen fördern – selbst in diesen schwierigen Zeiten. All das würde allerdings wenig bringen, wenn unsere Beschäftigten die getroffenen Maßnahmen nicht so toll angenommen und umgesetzt hätten.“

Auch der Betriebsrat der Hewing GmbH wurde mit dem Betriebsrätepreis ausgezeichnet. Für ein Projekt zur Arbeitsplatzsicherung haben die Kolleginnen und Kollegen den Sonderpreis Zukunftssicherung erhalten. Nach einem Auftragseinbruch im Jahr 2018 drohte bei dem Hersteller von Rohren für die Trinkwasser-, Sanitär- und Heizungsbranche im westfälischen Ochtrup die Entlassung von 16 befristet Beschäftigten. Als das bekannt wurde, ging der Betriebsrat ging sofort in die Offensive. Zusammen mit der IG BCE, der Bundesanstalt für Arbeit und den Unternehmensverantwortlichen suchten sie zügig nach Möglichkeiten, um die Entlassungen zu vermeiden.

In der Folge wurde die Arbeitszeit 2019 auf 35 Stunden reduziert. Außerdem wurden für die betroffenen Beschäftigten umfangreiche Weiterbildungsmöglichkeiten angeschoben. Im Unternehmen gab es anfangs große Vorbehalte, doch das Gremium ließ sich davon nicht beirren und diskutierte mit den Vertrauensleuten und der Belegschaft, welche Möglichkeiten bestehen und kümmerte sich um die Umsetzung. Da entgegen der Erwartungen die Auftragslage im Jahr 2019 wieder anzog, stellten sich die Qualifizierungsmaßnahmen als sinnvolle Maßnahme dar. Alle von Entlassung betroffenen Beschäftigten konnten im Unternehmen verbleiben und wurden nachfolgend in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Zudem wurden wieder Einstellungen vorgenommen. „Es ist ein gutes Gefühl sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen einzusetzen und gleichzeitig den Zusammenhalt in der Belegschaft zu stärken“, sagt Christof Tillmann, Betriebsratsvorsitzender.

Petra Adolph, Vorstandssekretärin der IG BCE zeigte sich bei ihrer Laudatio von der Auszeichnung mit Stolz erfüllt. „Das ist an sich schon ein schwieriges, aber leider auch kein besonders seltenes Thema.“ Besonders sei aber, wie der Betriebsrat – der sich selbst als lustigen Haufen bezeichnet – diese Herausforderung angegangen sei. „Und dabei nicht nur gelebte Solidarität bewiesen hat, sondern auch passgenau und beteiligungsorientiert vorgegangen ist.“

Die weiteren Preisträger 2020:


  • Gold: Betriebsrat der Bahlsen GmbH & Co. KG – Werk Varel
  • Silber: Betriebsrat der HWK - Hüttenwerke Königsbronn
  • Bronze: Betriebsrat der Hermes Germany GmbH, Hamburg
  • Publikumspreis: Betriebsrat der HWK - Hüttenwerke Königsbronn
  • Sonderpreis „Innovative Betriebsratsarbeit“:  Betriebsrat der Robert Bosch GmbH, Stuttgart

Der Deutsche Betriebsräte-Preis ist eine Initiative der Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ und wird seit 2009 jährlich vergeben. Die Konferenz wird in Kooperation mit dem DGB, der IG Metall, ver.di, IG BCE, IG BAU, EVG, NGG, GEW und der Hans-Böckler-Stiftung veranstaltet.