Arzneimittelknappheit
Pharmaproduktion in Deutschland stärken

Wichtige Arzneimittel werden in der Coronakrise knapper. Denn die aktuelle Situation verschärft die ohnehin bestehenden Lieferengpässe in der Arzneimittelversorgung.  Gleichzeitig haben Verbraucher aus Sorge vor dem Virus Schmerz- und Erkältungsmittel gehamstert. Angesichts dieser Probleme fordert die IG BCE von der Politik, sich für eine Rückverlagerung der Produktion nach Europa einzusetzen. Nur so lasse sich die Verwundbarkeit reduzieren. Denn bei vielen Medikamenten ist Europa hochgradig abhängig von der Produktion in kostengünstigeren Ländern. Die weltweite Wirkstoffproduktion ist auf Asien konzentriert.

Pharmaproduktion
Foto: © Andreas Reeg

Die aktuelle Corona-Krise legt offen, dass Wirtschaft und Politik die Globalisierung in den vergangenen Jahren zu weit getrieben haben: Nicht nur bei vergleichsweise einfachen Produkten wie Schutzmasken ist Deutschland von China und anderen abhängig, sondern auch bei essenziellen Medikamenten und Wirkstoffen. „Wir haben davor immer gewarnt – leider gibt uns die aktuelle Situation Recht“, sagt Michael Vassiliadis, der Vorsitzende der IG BCE. 

Er betont: „Es kann nicht sein, dass Deutschland als einstige Apotheke der Welt heute bei manchen Blutdrucksenkern, Schmerzmitteln oder Antibiotika auf Asien angewiesen ist.“ Und dass die hier verbliebene Pharma-Produktion ins Wanken gerate, weil nicht genug Schutzkleidung für die Beschäftigten vorrätig sei.  

Einfachere Produkte und Wirkstoffe seien aus Deutschland in Niedriglohnländer oder an internationale Lieferanten ausgelagert worden – obwohl die Löhne in kaum einem Industriezweig hierzulande einen so geringen Anteil am Umsatz hätten wie im Pharma-Bereich. Komplette Arznei-Lieferketten hängen inzwischen von wenigen Lieferanten ab.

Eine Lehre aus dieser Krise müsse deshalb lauten: zentrale Produkte, Wirkstoffe und Abhängigkeiten identifizieren, Produktion nach Deutschland und in die EU zurückholen, Versorgungssicherheit und gute Arbeit schaffen. Vassiliadis verlangt: „Wir brauchen eine gemeinsame Initiative für nachhaltige innereuropäische Wertschöpfungsketten.“ Das würde dem Standort auch für die Zeit nach der Krise neue Perspektiven geben.

Dabei wird es nicht genügen, an die Verantwortung und Solidarität der Pharma-Branche zu appellieren. „Am Ende muss der Staat dort eingreifen, wo der Markt versagt“, so Vassiliadis. Das gelte für bestimmte Forschungsfelder genauso wie für die Versorgung mit für die Bevölkerung wichtigen Arzneimitteln, deren Produktion bei uns jedoch deutlich teurer ist als in Asien. Vassiliadis unterstreicht: „Es bedarf einer neuen, verantwortungsbewussten Regulatorik, die die Unternehmen zu mehr Transparenz über ihre Lieferkette verpflichtet und gleichzeitig gezielt heimische Produktion finanziell fördert.“