Deutscher Betriebsräte-Preis
Merck und Solvay räumen beim Betriebsrätetag ab

Zum 11. Mal in Folge hat in Bonn die bundesweit bedeutendste Tagung für Betriebsräte stattgefunden. Vom 5. Bis zum 7. November haben rund 1.000 Teilnehmer über die Zukunft der Betriebsratsarbeit in Deutschland diskutiert. Unter dem Motto "Demokratie gestalten“ fand die dreitägige Konferenz wieder im altehrwürdigen Bonner Plenarsaal statt.

Der Deutsche Betriebsräte-Preis ist eine Initiative der Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ und wird seit 2009 jährlich vergeben. Der Preis würdigt engagierte Betriebsratsarbeit und will das wichtige Engagement der betrieblichen Interessenvertretung in Deutschland öffentlich machen und nachhaltig unterstützen. Schirmherr ist Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales. Die Konferenz wird in Kooperation mit dem DGB, der IG Metall, ver.di, IG BCE, IG BAU, EVG, NGG, GEW und der Hans-Böckler-Stiftung veranstaltet. Neben der Preisverleihung dient die Konferenz vor allem auch der Weiterbildung, dem Netzwerken und der allgemeinen Stärkung von Betriebsratsarbeit.

Auch in diesem Jahr haben sich engagierte und aktive Betriebsratsgremien für den Deutschen Betriebsräte-Preis beworben. Aus über 80 Bewerbungen hatte die Jury Ende Mai zwölf Arbeitnehmervertretungen ausgewählt. Sie spiegeln das wider, was in Unternehmen und Interessenvertretungen derzeit ganz oben auf der Agenda steht. Standortsicherung, Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Betriebsvereinbarungen zu Schichtmodellen, Digitale Transformation, Inklusion und Fragen rund um Eingruppierungen. Vertreten waren Gremien aus nahezu allen Branchen und Regionen, darunter viele mittelständische Betriebe aber auch große und international ausgerichtete Unternehmen. Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des Betriebsrätepreises. 

Der Gesamtbetriebsrat von Siemens und der Betriebsrat des Standortes Tübingen erhielten den Deutschen Betriebsräte-Preis in Gold. Mit einer Vielzahl von Maßnahmen verhinderte das Tübinger Gremium eine drohende Schließung und erreichte zugleich, dass der Standort sich zu einem digitalen Vorzeigewerk entwickelte. Die Silber-Trophäe verlieh die Jury dem Betriebsrat der Merck. Das Gremium regelte auf Grundlage des Paragraphen 28a des Betriebsverfassungsgesetztes die Übertragung von Betriebsratsaufgaben auf Arbeitsgruppen. Danach können Beschäftigte, die nicht dem Betriebsrat angehören, als Experten in sachbezogenen Arbeitsgruppen die Betriebsratsarbeit unterstützen. Das dient nicht nur einer erheblichen Entlastung, sondern auch der Nachwuchsförderung. Für eine wegweisende Inklusionsvereinbarung erhielten die Konzernschwerbehindertenvertretung und der Konzernbetriebsrat der LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH den „Deutschen Betriebsräte-Preis 2019“ in Bronze.

Drei weitere Auszeichnungen gingen zudem an die Betriebsräte von IKEA Deutschland am Standort Duisburg (Sonderpreis „Fair statt prekär“), den Gesamtbetriebsrat der Deutschen Bahn in Frankfurt (Sonderpreis „Veränderung gestalten“) und den Gesamtbetriebsrat der Solvay in Hannover (Sonderpreis „Innovative Betriebsratsarbeit“).

Deutscher Betriebsräte-Preis
Foto: © Deutscher Betriebsrätetag

Der Gesamtbetriebsrat der RAG wurde für sein Engagement zur sozialverträglichen Beendigung des deutschen Steinkohlebergbaus gewürdigt. Karin Erhard, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, würdigte die Arbeit aller Sozialpartner in diesem Jahrhundertprojekt: „Das Markenzeichen der Bergbau-Betriebsräte lautet bis heute „Mitbestimmen heißt Mitverantworten“. Sie haben ihre Arbeit - aufgrund der politischen Entscheidung, einen ganzen Industriezweig abzubauen – mit großer Umsicht und Motivation zur Veränderung zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Niemand ist ins Bergfreie gefallen.“ 

Die RAG-Betriebsratsmannschaft, um ihre Gesamtvorsitzende Barbara Schlüter, freute sich über die Auszeichnung und die damit verbundene Anerkennung. “Gemeinsam mit der IG BCE haben wir den jahrelangen Strukturwandel so sozialverträglich wie möglich gestaltet. Es gibt keine vergleichbare Branche in der ähnliches gelungen ist.“