Raffinerie PCK in Schwedt

IGBCE fordert Sicherheiten und klare Zukunftsperspektiven für Beschäftigte

Das drohende Öl-Embargo sorgt für Unsicherheit bei den Beschäftigten in der Raffinerie Schwedt. Denn wenn das Embargo kommt, steht die Zukunft des Standorts auf dem Spiel. Für den zuständigen IGBCE-Bezirksleiter Rolf Erler ist jedoch klar: „Niemand von den Kolleginnen und Kollegen darf auf der Strecke bleiben!“

PCK-Raffinerie in Schwedt
Foto: © PCK Raffinerie GmbH

Sollte Deutschland bald kein russisches Öl mehr beziehen, trifft es die Raffinerie in Schwedt unmittelbar. Denn sie hängt bisher vollständig am russischen Öl und wird von dem russischen Staatskonzern Rosneft betrieben. Vor Ort sorgt das drohende Öl-Embargo deshalb für Unsicherheit bei den Beschäftigten.

 „Mit dem verbrecherischen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine sind die Beschäftigten des PCK in Schwedt praktisch über Nacht in den Fokus der Weltpolitik gerückt. Die Verunsicherung in der Belegschaft ist groß“, sagt Rolf Erler, IGBCE-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg. Die IGBCE stehe in dieser schwierigen Situation und bei allen Veränderungen fest an der Seite der Beschäftigten. Er betont: „Die Sicherung des Standortes und der Arbeitsplätze muss stets mit oberster Priorität mitgedacht werden. Unsere gewerkschaftliche Kernforderung ist klar: Niemand von den Kolleginnen und Kollegen darf auf der Strecke bleiben!“

Gestern hat Wirtschaftsminister Robert Habeck nun Schwedt besucht und versucht, den Beschäftigten Mut zu machen: „Es ging von Anfang immer darum, diesen Standort PCK als Unternehmen möglichst vollumfänglich zu erhalten“, so Habeck. Bezirksleiter Erler betont, dass die Herausforderungen enorm seien: „Wir sprechen hier von 1200 tarifgebundenen Arbeitsplätzen mit guter Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen und dem wichtigsten Arbeitgeber in der Region“, hebt er die Bedeutung der Raffinerie hervor. Dazu kämen viele Hundert Arbeitsplätze bei Zulieferbetrieben.

Erler unterstreicht: „Diesen starken Standort gilt es jetzt in die Zukunft zu führen – nicht nur mit Blick auf die Unabhängigkeit von russischem Öl, sondern auch mit Blick auf die klimagerechte Transformation. Investitionen in die Infrastruktur sind dafür unerlässlich. Sie sind die Voraussetzung für einen Innovationsschub und neue Perspektiven.“

Derzeit hat Deutschland noch einen Anteil von zwölf Prozent russischen Öls, der vor allem in Schwedt verarbeitet wird. Die Raffinerie versorgt große Teile Ostdeutschlands und Teile Westpolens. Die Beschäftigten produzieren neben Benzin, Diesel und Heizöl auch Kerosin für den Flugverkehr.

Bei seinem Besuch skizzierte Habeck einen Plan, wie der Betrieb in Zukunft weiterlaufen könnte. Drei Elemente müssten zusammenkommen: Die Vorbereitungen für neue Öllieferungen aus anderen Ländern über Schiffe via Rostock, Finanzhilfen des Bundes für mögliche Mehrkosten nach der Umstellung und eine mögliche Treuhandstruktur anstelle des bisherigen Betreibers Rosneft. „Wenn alles drei klappt, dann haben Sie eine Jobsicherheit für die nächste Zeit", versprach Habeck.

„Dass der Bundeswirtschaftsminister persönlich nach Schwedt gekommen ist, werten wir unbestritten als sehr gutes Signal. Wenn er davon spricht, Schwedt mittelfristig zu einem Leuchtturmprojekt für Energieformen der Zukunft wie den Wasserstoff zu machen, kann er sich auf die volle Unterstützung durch die IGBCE verlassen“, so Erler. „Doch was unsere Kolleginnen und Kollegen beim PCK in diesem Moment wirklich benötigten, sind konkrete und verlässliche Zusagen. Die IGBCE fordert belastbare Garantien für die Sicherung der Arbeitsplätze und langfristige Beschäftigungsperspektiven!"

Weitere Informationen

Gasspeicher bei Nacht
Foto: © iStockphoto/shansekala
Drohendes Gas-Embargo
Wenn das Gas fehlt

Was bedeutet ein mögliches Gasembargo für Unternehmen? Welche Folgen hätte das für die Industrie und die Arbeitsplätze? Und für unser Leben?