Keramische Industrie
Heterogene Branche

Die keramische Industrie beschäftigt bundesweit 43.600 Menschen in mehr als 260 Unternehmen. Die Bandbreite der Produkte reicht von Zement über Ziegel bis zur Sanitärkeramik und feinstem Porzellan. Technische Keramik kommt in der Elektro- oder der Autoindustrie zum Einsatz. Hier stieg die Zahl der Beschäftigten zuletzt besonders stark an. 

Die Keramische Industrie ist in zwei Segmente, die Grob- und Feinkeramik eingeteilt.

Zur Grobkeramik zählen statistisch die beiden Hauptgruppen zur Herstellung von feuerfesten keramischen Werkstoffen und Waren sowie die Produktion von keramischen Baumaterialien. In der Grobkeramik waren im ersten Halbjahr 2019 ca. 23.170 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 161 Betrieben beschäftigt, die einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Führendes keramisches Wirtschaftssegment in der grobkeramischen Industrie hinsichtlich der Anzahl der Beschäftigten und des Umsatzes ist der Bereich der feuerfesten keramischen Werkstoffe mit 6.017 Arbeitsplätzen in 43 Betrieben und einem Umsatz von 813 Millionen Euro. Gefolgt vom Segment der Ziegel- und Baukeramik mit 6.239 Arbeitsplätzen in 54 Betrieben und einem Umsatz im ersten Halbjahr 2019 von 539,7 Millionen Euro.

Feuerfeste Erzeugnisse sind die Funktionsfähigkeit von Hochtemperaturprozessen und kommen insbesondere bei der Herstellung von Eisen und Stahl (rund zwei Drittel des Umsatzes im Stahlsegment), in der großtechnischen Schmelzung von Metallen und Glas, Zement, Kalk und Gips zum Einsatz.

Statistisch werden in dem Wirtschaftssegment zur Herstellung von keramischen Baumaterialien u.a. die Produktion von Ziegel und sonstige Baukeramik, erfasst. Grob entfallen auf diesen Bereich zwei Drittel der ökonomischen Aktivitäten.

Weitere Segmente sind die Zementindustrie mit 7.738 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro sowie die Kalk- und Gipsindustrie mit 3.179 Beschäftigten und einem Umsatz von 410,4 Millionen Euro.   

Die deutsche Feinkeramische Industrie ist einem starken Anpassungsdruck und einer schwankenden Marktsituation ausgesetzt. Bereits seit Jahrzehnten ist die Zahl der Unternehmen und Beschäftigten stetig rückläufig. Die Feinkeramische Industrie setzt sich aus vier Hauptsegmenten zusammen: Geschirr- und Ziergegenstände, Sanitärkeramik, Wand- und Bodenfliesen sowie die technische Keramik.

Mit der Herstellung von Porzellan und keramischen Erzeugnissen wird im ersten Halbjahr 2019 ein Umsatz von 1,5 Milliarden Euro mit 20.460 Beschäftigten erwirtschaftet. Wobei die technische Keramik mit ca. einem Drittel des Umsatzes das stärkste Segment darstellt.

Mit der Herstellung von Wand- und Bodenfliesen wird im ersten Halbjahr ein Umsatz von 322,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Umsatz liegt mit 2,7 Prozent unter dem Halbjahresvergleich zu 2018. Die Anzahl der Beschäftigten nahm im gleichen Zeitraum von 1,7 Prozent ab.

Die Fertigung von Haushaltswaren- und Ziergegenständen stieg im ersten Halbjahr 2019 um 1,3 Prozent leicht an. Dabei stieg der Inlandsumsatz mit 2,2 Prozent etwas stärker als der Auslandsumsatz mit 0,3 Prozent. Mit einer aktiven Preispolitik im ersten Halbjahr konnten die Erzeugerpreise um durchschnittlich 1,8 Prozent angehoben werden. Die Anzahl der Beschäftigten sank mit 4,2 Prozent besonders stark.

Der Wirtschaftszweig der Sanitärkeramik konnte die positive Entwicklung aus 2018 im ersten Halbjahr 2019 nicht fortsetzen. Der Umsatz sank um 1,8 Prozent. Der positive Aufschwung des Inlandsumsatzes von 0,9 Prozent konnte den starken Abschwung des Auslandsumsatzes von 2,9 Prozent nicht kompensieren. Der Abschwung konnte auch nicht durch die Anhebung der Erzeugerpreise von durchschnittlich 3,7 Prozent aufgehalten werden. Die Beschäftigtenzahl hat sich im ersten Halbjahr kaum verändert.

Die größte Gruppe in der feinkeramischen Industrie ist der Bereich der technischen Keramik. Zu ihr gehören die Herstellung von keramischen Erzeugnissen für technische Zwecke, die Herstellung von Isolatoren und Isolierteile aus Keramik sowie sonstige keramische Erzeugnisse.

Die technische Keramik entwickelt sich weiter positiv. Während die Hersteller für sonstige technische Keramik ihren Wachstumskurs fortsetzen, erholen sich die Hersteller von Isolatoren weiter. Der Umsatz konnte im ersten Halbjahr 2019 im Halbjahresvergleich für die technische Keramik um weitere 5,1 Prozent gesteigert werden. Der Auslandsumsatz stieg mit 12,2 Prozent stärker als der Inlandsumsatz mit 8,2 Prozent. Die Beschäftigtenzahl stieg insgesamt um 8,6 Prozent an.

Besonderen Auftrieb brachten die Bestellungen aus dem Ausland für die keramischen Erzeugnisse für technische Zwecke, die einen Umsatzzuwachs im ersten Halbjahr 2019 von 14,2 Prozent verbuchten. Der Auslandsumsatz stieg um 15,1 Prozent und der Inlandsumsatz um 12,8 Prozent.

Bei den Herstellern für Isolatoren und Isolierteile aus Keramik stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2019 leicht um 0,8 Prozent. Die starke Entwicklung im Auslandsumsatz von 4,4 Prozent kompensierte die schwache Inlandsnachfrage. Hier sank der Umsatz um 3,6 Prozent.

Während die Erzeugerpreise bei den Isolatorenherstellern um durchschnittlich 2,7 Prozent nachgaben, stieg das Preisniveau für keramische Erzeugnisse für technische Zwecke um 2,3 Prozent.

Obwohl in den Produktionsverfahren in der feinkeramischen Industrie große technologische Verbesserungen in den letzten Jahren stattfanden, stellt die die technische Keramik heutzutage den dynamischsten Teil der keramischen Industrie dar.

Wesentliche Treiber in der technischen Keramik sind aktuell

  • die Elektronik
  • der Automobilsektor
  • die Energietechnik
  • die Medizintechnik

Keramische Werkstoffe haben sich in Anlagen- und Maschinenbau wegen ihrer herausragenden Härte, Verschleißfestigkeit, Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit sowie spezieller funktionaler Eigenschaften vielfach durchgesetzt. Da sie in der Korrosionsbeständigkeit fast alle metallischen Werkstoffe übertreffen, sind keramische Werkstoffe besonders Vorteilhaft für die chemischen Verfahrenstechniken.

Der internationale Wettbewerb wird zu verstärktem Innovationsdruck führen. Einerseits werden schnellere und kostengünstigere Fertigungstechniken und Herstellverfahren benötigt. Anderseits gilt es, den Wirkungsgrad der Maschinen und Anlagen durch Verringerung der Ressourcen- und des Energieverbrauches zu steigern.

Im medizin- und biotechnischen Sektor erlangen keramische Werkstoffe ebenfalls wachsende Bedeutung. Gerade dieses Material genügt hier hohen multifunktionalen Ansprüchen. Auf den jeweiligen Einsatzzweck ausgerichtet sind die vorrangig geforderten Eigenschaften Porosität, hohe Festigkeit, Biokompatibilität, Verschleißfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit. Häufig ersetzen keramische Werkstoffe Metall- und Kunststoffteile wie zum Beispiel Hüft- und Kniegelenksprothesen oder auch Knochenschrauben.