Industriepolitische Tagung

Gut gerüstet für stürmische Zeiten

Ukraine-Krieg, Energiekrise, Lieferkettenprobleme – die Herausforderungen für unsere Branchen sind riesig. Angesichts dessen hat die IGBCE die Kampagne „Zeitenwende gestalten“ gestartet, um aktiv nach Lösungen zu suchen und ihre Beschäftigten zu schützen. Im Landesbezirk Bayern traf man sich deshalb nun zum einer industriepolitischen Tagung.

Industriepolitische Tagung der IGBCE Bayern - Forum

Industriepolitische Tagung zum Thema Energieversorgung: Im Rahmen der IGBCE-Kampagne „Zeitenwende gestalten“ lud die IGBCE Bayern zum Austausch nach Trostberg zur Alzchem Group AG ein.

Foto: © IGBCE Bayern

Der Krieg in der Ukraine und all seine Folgen bringt die Industrie in große Bedrängnis. Die hohen Energiepreise bedrohen täglich mehr Unternehmen. Die Gefahr von Produktionsschließungen nimmt zu. Mit großer Sorge blickt die IGBCE Bayern deshalb auf die energiepolitische Entwicklung im Land. Denn so gut wie alle IGBCE-Branchen sind energieintensiv und deshalb auf sichere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen. Oft geht es für sie bei der Frage der hohen Energiekosten um nicht weniger als das Überleben.

Es ist die Frage nach bezahlbarer Energieversorgung in den Unternehmen auf der einen Seite und die Sicherheit guter und tarifgebundener Arbeitsplätze auf der anderen Seite, die die Zukunftsgewerkschaft umtreibt. Gemeinsam mit den Kolleg*innen der unterschiedlichsten Industriezweige der IGBCE in Bayern hat diese deshalb am 4. November zu einer industriepolitischen Tagung zum Thema Energieversorgung nach Trostberg ins bayerische Chemiedreieck eingeladen. Mehr als 100 Betriebsratsmitglieder und ehrenamtliche Spitzenfunktionäre aus allen bayerischen IGBCE-Bezirken sind dafür in der Betriebskantine der Alzchem Group AG zusammengekommen, um gemeinsam mit Vertreter*innen aus Politik, Verbänden und Wirtschaft die aktuelle Situation zu beleuchten und nach zukunftsfähigen Lösungsansätzen zu suchen.

„In der aktuellen Situation sind wir alle gefordert: Arbeitgeberseite, Gewerkschaften und Politik. Das, was wir gerade erleben, ist nicht weniger als eine Zeitenwende auf mehreren Ebenen. Diese Herausforderungen bestehen wir nur gemeinsam“, betonte Beate Rohrig, Landesbezirksleiterin der IGBCE Bayern, in ihrem Grußwort zu Beginn der Tagung. In deren Mittelpunkt standen unter anderem die Fragen „Welche Elemente machen eine moderne und zukunftssichere Industriepolitik aus?“, „Wie meistern Betriebe Lieferengpässe und die hohen Energiekosten?“, „Welche Rolle spielen die Mitbestimmungsakteure und Sozialpartner in diesem Prozess?“ und „Wie können die betrieblichen Akteure zusammen die Krise meistern?“.

In ihrem Impulsreferat ging Birgit Biermann, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand (gHV) der IGBCE, unter dem Motto „Zeitenwende gestalten, Arbeitsplätze schützen“ en detail und aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Herausforderungen ein. Sie betonte: „Wir müssen geschlossen und solidarisch zusammenstehen, dann können wir als Gewerkschaft gemeinsam jede Krise meistern.“ Zudem mahnte Birgit Biermann: „Die Transformation ist nicht abgesagt. Wir dürfen trotz der derzeit alles überlagernden Energiekrise auch andere zukunftsweisende Themen nicht aus dem Blick verlieren.“ Wichtigste Aufgabe der IGBCE hierbei sei es, die Kolleg*innen in den Betrieben zu qualifizieren, damit diese am Ende nicht zu den Transformations-Verlierern zählten.

In Branchenworkshops wurde schließlich ganz praktisch an den energiepolitischen Herausforderungen aus Sicht der einzelnen Branchen gearbeitet. In Kleingruppen erörterten die Tagungsteilnehmer*innen branchenspezifische Probleme und Herausforderungen – angefangen von gerissenen Lieferketten bis zur Frage, wie Betriebe auf einen möglichen Blackout vorbereitet sind – und erarbeiteten Lösungsansätze und Ideen, um diesen begegnen zu können. Diskutiert wurde unter anderem, wie man die Attraktivität des belastenden, aber für die Betriebe notwendigen Schichtarbeitsmodells steigern kann. Gefordert wurde vor allem mehr politische Anerkennung der Industrie in Bayern.

Ein Thema, das auch die anschließende Podiumsdiskussion zur Frage, wie sicher die Energie- und Gasversorgung in derzeitigen volatilen und krisenhaften Zeiten noch ist, dominierte. Alzchem-Vorstandsvorsitzender Andreas Niedermaier warb eindringlich dafür, aus der Komfortzone zu kommen und die Energiewende mit allen Mitteln voranzutreiben. Er beklagte unter anderem zu hohe bürokratische Hürden, beispielsweise beim Errichten eines Windparks. Ein Missstand, den auch SPD-Bundestagsabgeordneter Johannes Schätzl unumwunden eingestand: „Keine Frage, wir müssen Verfahren beschleunigen.“

Josef Rummel, Betriebsratsvorsitzender bei Kelheim Fibres, erinnerte daran, dass Energieeinsparungen für energieintensive Betriebe nur schwierig umzusetzen seien: „Unsere Arbeit rentiert sich nur bei Vollauslastung. Hinzu kommt: Der Wettbewerb findet auf dem Weltmarkt statt.“ Albert Duin, Mitglied der FDP-Landtagsfraktion, monierte (nicht nur) in Sachen Ausbau der Windenergie die vorherrschende „Not in my backyard“-Mentalität und mahnte, ebenso wie Beate Rohrig, in den Parlamenten bei der Bewältigung einer Krise von solch globaler Tragweite mehr Miteinander statt Gegeneinander an.

Am Ende, so die einhellige Meinung auf dem Podium, sei es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für gute Rahmenbedingungen für eine starke Industrie im ganzen Land zu sorgen. Dafür brauche es eine gemeinsame Strategie und Anstrengung. Denn egal ob in Deutschland oder in Bayern: Für den Wohlstand sei eine funktionierende Industrie unverzichtbar. Jede und jeder Einzelne müsse dafür zur Markenbotschafterin und zum Markenbotschafter werden.

Den perfekten Auftakt dazu bildete die industriepolitische Tagung, die Teil der bundesweiten IGBCE-Kampagne „Zeitenwende gestalten“ war. Mit dieser will die IGBCE gemeinsam mit Sozialpartnern und Politik weiter aktiv nach Lösungen suchen, um eine Rezession zu verhindern und die Industriearbeitsplätze in Deutschland zu halten. Die Herausforderungen der Zeitenwende sollen im Sinne guter Industriearbeitsplätze und der Beschäftigten auf politischer und betrieblicher Ebene vorangetrieben werden.

Zeitenwende gestalten

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Foto: © Elephantlogic
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Die aktuelle Energiekrise ist eine Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Wir müssen jetzt mit aller Kraft daran arbeiten, unabhängig von russischen Energieimporten zu sein. Die IGBCE hat deshalb die Kampagne "Zeitenwende gestalten" gestartet, um unsere Beschäftigten und unser Branchen bei der Bewältigung der Konsequenzen auf allen Ebenen aktiv zu unterstützen. Hilfe gibt es auch beim Energiesparen: Exklusiv für IGBCE-Mitglieder starten im November kostenlose Online-Energieberatungen durch die Verbraucherzentrale.