Die Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV)
Engagiere dich und mach mit!

Als Azubi bist du jetzt Mitglied in einem Betrieb! Hast du Lust darauf, dort deine Arbeit und deinen Arbeitsplatz mitzugestalten? Dann mach mit als Jugend- und Auszubildendenvertreter. Das ist in den Betrieben ein wichtiger Job mit interessanten Aufgaben und macht enormen Spaß. Leandra, Alina und Laura erzählen, warum.

Sie sind hervorragend organisiert, knüpfen Netzwerke, erfüllen interessante Aufgaben, stehen dir bei wichtigen Gesprächen, beispielsweise mit dem Arbeitgeber, zur Seite und führen junge Menschen an gewerkschaftliche Themen heran: die Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV). Sie machen in den Betrieben einen wichtigen Job und werden alle zwei Jahre neu gewählt. Wahlberechtigt für eine JAV-Wahl sind alle minderjährigen Beschäftigten und alle Auszubildenden unter 25 Jahren. Gewählt werden können in die Vertretung Auszubildende, Arbeitnehmer und dual Studierende bis einschließlich 25 Jahre. Eine Jugend- und Auszubildendenvertretung im Betrieb gibt es aber nur unter zwei Voraussetzungen: Die Firma muss fünf jugendliche Wahlberechtigte beschäftigen und einen Betriebsrat haben. 

Größe und Themen einer Auszubildendenvertretung

Besteht ein Unternehmen aus mehreren Betrieben, muss zudem eine Gesamt-JAV gewählt werden. Sind mehrere Unternehmen zu einem Konzern zusammengeschlossen, wird wiederum eine Jugend- und Auszubildendenvertretung für den Konzern gewählt. Sie vertritt die Rechte der Jugendlichen, damit sie schon während ihrer Ausbildung im Betrieb mitgestalten können. Je mehr Wahlberechtigte es im Unternehmen gibt, desto größer wird eine Jugend- und Auszubildendenvertretung und umso wichtiger ist ihre Stimme im Betriebsrat und auch gegenüber dem Arbeitgeber. Mindestens fünf Wahlberechtigte braucht es für einen einzelnen Jugendvertreter. Fünf Mitglieder hat eine JAV, wenn es mindestens 51 Wahlberechtigte gibt. Hat das Unternehmen mehr als 1.000 Jugendliche sowie Auszubildende, sind in der JAV mehr als 15 Mitglieder. Die Themen, die eine Jugend- und Auszubildendenvertretung betreut und während einer JAV-Sitzung bespricht, reichen von der Zahl der Ausbildungsplätze über die Einhaltung des Berufsbildungsgesetzes im Betrieb bis hin zur Übernahme von Auszubildenden. 

Vertreterin für 150 Auszubildende

Mit diesen Themen beschäftigt sich auch Leandra Gutsche, die im Herbst 2016 erstmals für die JAV bei Ardagh in Nienburg kandidierte, einem Hersteller von Glas- und Metallverpackungen. „Mich interessierte ein stärkerer Austausch zwischen technischen und kaufmännischen Ausbildungsgängen“, erzählt sie. Nach ihrer Wahl übernahm sie zunächst die Aufgabe in der JAV in Nienburg, Besichtigungen bei branchenfremden Werken zu organisieren, zum Beispiel beim Schuhhersteller Lloyd. Inzwischen ist sie Konzern-Jugendvertreterin, steht damit den JAVs der deutschen Ardagh-Werke vor und vertritt insgesamt 150 Auszubildende. Mehrmals im Jahr treffen sich alle JAV-Mitglieder, um über Themen wie Kommunikation während der Ausbildung in den Betrieben, Arbeitssicherheit oder Übernahmeregelungen zu diskutieren. 

Auf die JAV Bock haben

Ein Dauerthema ist der demografische Wandel. Fachkräftemangel und Probleme beim Finden von Nachwuchs – auch das kennt man bei Ardagh. Die Jugendvertreter haben dazu in den eigenen Werken recherchiert. „In der nächsten Wahlperiode tauschen wir uns dazu mit den Personalentwicklern aus“, sagt Gutsche. Es geht um Lösungen, die auch den Auszubildenden gerecht werden. „Der demografische Wandel ist auch bei uns ein Thema“, sagt Alina Heisterkamp, Gesamt-JAV-Vorsitzende bei Currenta, einem Unternehmen, das drei Chemieparks in Leverkusen, Dormagen und Krefeld betreibt. Dafür legt sie sich mächtig ins Zeug. „Denn Currenta braucht gute Leute und junge Beschäftigte“, betont Heisterkamp. Die Folge: Aus den letzten drei Abschlussjahrgängen wurden alle Auszubildenden übernommen. Auch die Digitalisierung hat ihre Spuren hinterlassen: Inzwischen haben alle Auszubildenden bei Currenta ein Tablet, Nachschlagewerke und Ausbildungsnachweise werden in einer Cloud gespeichert. Auch das ist ein Erfolg der JAV für die jugendlichen Arbeitnehmer. „Wir habe viele jugendliche Beschäftigte, die einfach Bock auf die Jugendvertretung haben“, sagt Heisterkamp nicht ohne Stolz.

Ansprechpartner für Sorgen

Standortwechsel. Der Chemiepark Marl, ein Unternehmen von Evonik. Dort vertritt Chemielaborantin Laura Hafkemeyer als JAV-Vorsitzende – mit zehn weiteren JAVs – mehr als 500 Auszubildende. Hafkemeyer hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Azubis bei Einführungsfahrten zu begleiten, ihre JAV-Tätigkeit vorzustellen und über gewerkschaftliche Themen zu informieren. Zu ihrem Tagesgeschäft gehören viele persönliche Gespräche. Dabei geht es um die Altersvorsorge, Verbesserungsvorschläge für die Ausbildung, Arbeitszeit und um die Begleitung in schwierigen Lebensphasen. Der Jugendvertreter ist oft der erste Mensch, an den sich ein Azubi mit seinen Sorgen wendet. „Deswegen ist unser Büro möglichst immer besetzt.“ Hafkemeyer hat auch bei der JAV-Wahl 2018 wieder kandidiert. „Wenn du einmal anfängst, bleibst du dabei.“ Es wird ihre letzte Wahlperiode sein, mit 24 darf sie ein letztes Mal antreten. Auch Leandra Gutsche ist nochmals dabei. Denn die JAV ist für sie einfach eine sehr nachhaltige Sache. „Und es macht einfach Spaß!“

Hast auch du Lust, dich in einer Jugend- und Auszubildendenvertretung zu engagieren? Dann sprich doch einfach mal einen Jugendvertreter in deinem Betrieb an. Er wird dir erzählen, was du machen musst.

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