Papier- und Zellstofferzeugung
Ein nachhaltiges Produkt

Die deutsche Papierindustrie beschäftigt fast 40.000 Menschen in mehr als 150 Unternehmen. Sie ist führend in Europa und Nummer vier in der Welt. Gut 60 Prozent der Waren gehen in den Export. Verpackungen und grafische Papiere machen bis heute den Löwenanteil des Geschäfts aus, aber auch Hygieneartikel und selbst Hightech-Komponenten für die Autoindustrie hat die Branche im Angebot. Zu mehr als drei Vierteln decken die Unternehmen ihren Bedarf heute aus Altpapier.

Die deutsche Papierindustrie bleibt im weltweiten Vergleich weiterhin die Nummer vier nach China, den USA und Japan und die Nummer eins in Europa.

Die gesamtwirtschaftlich abgekühlte Entwicklung spiegelt sich auch in der deutschen Papierindustrie wieder. Die Produktion ist im Jahr 2018 leicht um 0,9 Prozent zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2019 sank die Produktion im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 2,4 Prozent. Der steigende Umsatz aus 2018 konnte nicht fortgesetzt werden. Dieser sank im ersten Halbjahr um 1,9 Prozent.

Der Exportanteil an der gesamten Papierproduktion liegt am Umsatz gemessen bei etwa 59 Prozent. Im ersten Halbjahr sank der Auslandsumsatz um 1,5 Prozent, wobei der Inlandsumsatz um 4,7 Prozent gestiegen ist.

Die deutsche Papierindustrie exportiert einen großen Teil ihrer Produkte und unterliegt daher den weltwirtschaftlich und handelspolitischen Rahmenbedingungen. Die abflauende Weltwirtschaft, der Handelskrieg zwischen China und den USA sowie die unklaren Auswirkungen eines ungeregelten Brexit, sind einige Indikatoren, die sich negativ auf den Export auswirken.

Die Beschäftigtensituation hat sich im ersten Halbjahr 2019 stark verbessert. Effektiv ist die Beschäftigtenzahl um 2,6 Prozent auf 38.603 im Halbjahresdurchschnitt gestiegen. Der Anstieg dürfte mit der Inbetriebnahme neuer Fabriken, aber auch durch die gesetzlichen Änderungen für Leiharbeiter verursacht sein. Der Facharbeitermangel macht sich immer deutlicher in vielen Unternehmen bemerkbar.

Die Entwicklung der deutschen Papierindustrie war in den einzelnen Sortenbereichen sehr unterschiedlich. Es gibt rund 3.000 verschiedene Papiersorten – unterteilt in vier Sortenbereichen: Verpackungspapiere, graphische Papiere, Hygienepapiere und für technisch und spezielle Anwendungen.

Der Anteil der Verpackungspapiere an der Produktion hat sich im ersten Halbjahr 2019 auf 55 Prozent erhöht und stellt damit das größte Segment der deutschen Papierindustrie dar. Seit einigen Jahren konnten hier bereits Produktionssteigerungen verbucht werden. So wurden im 1. Halbjahr insgesamt 6 Millionen Tonnen im Bereich der Verpackungspapiere produziert, was eine Zunahme von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreshalbjahr entspricht.

Bei den graphischen Papieren, die mit einem Anteil von 32 Prozent an der Papierproduktion die zweitgrößte Produktgruppe darstellen, hat sich die negative Entwicklung fortgesetzt. Das Produktionsvolumen reduzierte sich im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zu Vorhalbjahr um 8,3 Prozent auf 3,5 Millionen Tonnen. Hauptursache sind die fortschreitenden Änderungen im Mediennutzungsverhalten der Verbraucher.

Die Hygienepapiere haben einen Anteil von 6,7 Prozent an der Gesamtproduktion. Der leichte negative Trend aus 2018 von 0,5 Prozent hat sich im ersten Halbjahr 2019 mit 0,9 Prozent fortgesetzt. Die gefallenen Zellstoffpreise, der Kampf um Marktanteile und die Überkapazität auf dem Markt, scheinen den Produzenten zu schaffen zu machen.

Die technischen und Spezialpapiere, die einen Anteil von 6,4 Prozent ausmachen und eine Vielzahl von Produkten umfassen, konnten nach einem eher enttäuschenden Jahr 2018 den Negativtrend im ersten Halbjahr 2019 nicht aufhalten. Die Maschinenproduktion sank um 2,1 Prozent auf 705.000 Tonnen.

Einschätzung Altpapiermarkt

Die deutsche Papierindustrie hat 2018 insgesamt 17,2 Millionen Tonnen Altpapier eingesetzt. Die Altpapiereinsetzungsquote hat sich auf 76 Prozent erhöht. Insgesamt bleibt die Situation auf dem deutschen Altpapiermarkt weiterhin angespannt. Ein deutliches Überangebot, schwache Nachfrage seitens der Verarbeiter und Preisdruck kennzeichnen den deutschen Altpapiermarkt. Die Altpapierpreise gaben im ersten Halbjahr 2019 leicht nach. Wobei die Preise bei den Massensorten, vor allem aber bei den höherwertigen Altpapierqualitäten nicht gehalten werden. Für das zweite und dritte Quartal 2019 zeichnet sich bereits ein ähnliches Szenario ab.

Einschätzung Zellstoffmarkt

Die sommerliche Ruhe herrschte nur bei der Nachfrage, nicht bei den Preisen. Im Durchschnitt gingen die Preise im ersten Halbjahr 2019 um 6,9 Prozent zurück. Die Preise für Langfaser- und Kurzfasersorten sinken weiter.

Eine Trendwende ist nicht erkennbar, Preiserhöhungen sind im zweiten Halbjahr eher unwahrscheinlich. Der auf Lieferantenseite erhoffte deutliche Nachfrageschub aus der Papierindustrie ist ausgeblieben. Die Verarbeiter hatten keine Probleme, weitere Preisreduzierungen für Langfaser- und Kurzfaserzellstoff zu erzielen. Auf Grund des hohen Angebotes und die damit verbundenen weiteren Preisrücknahmen für Sägerestholz sind Gründe für den sinkenden Zellstoffpreis. Eine deutliche Entlastung auf den Restholzmärkten findet derzeit nicht statt. Es wird mit einer Fortdauer der derzeitigen Marktsituation bis ins kommende Jahr gerechnet.