Ticker KW 38/20

Ein fatales Signal

IG BCE und IG Metall setzen sich im Schulterschluss dafür ein, Arbeitsplätze im Automobilzulieferer-Sektor zu sichern und dieser Schlüsselindustrie eine Perspektive zu geben.

Titelbild Ticker KW 38
Foto: © IGM / IGBCE

„Wenn wir nichts für diese Schlüsselindustrie unternehmen, droht die Gesamtwirtschaft nachhaltig Schaden zu nehmen.“ Mit diesen mahnenden Worten hat sich der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis gegen die Pläne u.a. bei Continental gestellt, den Rotstift allein bei den Beschäftigten anzusetzen. Inmitten des Transformationsprozesses in der gesamten Automobilwirtschaft geraten besonders die Zulieferer in Folge der Corona-Pandemie bedingten Einbrüche unter Druck. Allein bei Conti ist nach aktuellen Informationen fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland gefährdet.

„Werden die Einschnitte umgesetzt, zerstört der Vorstand Lebenspläne, er vernichtet Wissen und Kompetenz in großem Maßstab. Er setzt ein fatales Signal für den Industrie- und Hochtechnologiestandort Deutschland. Dagegen fehlen verlässliche Perspektiven für die Beschäftigten und die jeweiligen Standorte“, heißt es daher in der Petition für die Zukunft bei Continental.

Es braucht den konstruktiven Dialog
Hasan Allak, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Continental AG, kritisiert die nun für den Rubber-Bereich konkreter gewordenen Jobabbau-Pläne: „Wir erwarten vom Management, dass betriebliche wie tarifliche Instrumente
Entlassungen in Arbeitslosigkeit z.B. bei Conti Machinery verhindern. Hier wird an der falschen Stelle gestrichen. Wir bieten dem Vorstand gerade wegen der in der Belegschaft ebenso wie bei uns hervorgerufenen Enttäuschung unverändert einen konstruktiven Dialog an. “ Rund 1.800 Arbeitsplätze stehen vor dem Aus, darunter auch 144 in Hannover.


Es geht um viel mehr
Auf die Zulieferer entfallen gut zwei Drittel der Wertschöpfung im Auto. Und sie haben nicht die finanziellen Mittel wie die Hersteller. Die IG BCE fordert daher einen Schutzschirm für die Zulieferer, der neben finanziellen Hilfen auch die zeitweise staatliche Beteiligung an kleinen und mittelständischen Firmen ermöglicht. Michael Vassiliadis ergänzt: „Darüber hinaus fordern wir für insolvenzgefährdete Unternehmen eine öffentliche Fortführungsberatung – und zwar mit gewerkschaftlicher Beteiligung. So sollen Standort- und Beschäftigungssicherung angemessen eingebracht werden – als Gegengewicht zu einem kurzsichtigen Ausverkauf von Technologie, Innovation, Produktion und Beschäftigung. Um dem vorzubeugen, ist auch eine Fondslösung zu prüfen.“ Dieses Beteiligungsfonds haben IG Metall und IG BCE bereits angeregt. Dabei bündeln sie Stiftungen, Unternehmerfamilien oder Vermögensverwalter, die ein Interesse an nachhaltigen Investitionen in Deutschlands Schlüsselindustrie haben und sich für die Zulieferer einsetzen können.

Den Bezirk Hannover mit dem Hauptsitz von Continental wird dieses Thema nun intensiv beschäftigten. „Wir haben auch die weiteren Betroffenen im Blick“, betont Bezirksleiter Michael Linnartz. Beispielsweise bei Kasai in Wolfsburg, wo Fahrzeug-Innentüren für VW gefertigt werden oder bei Röchling in Peine, einem Spritzgussteile-Hersteller u.a. für Ad-Blue-Tanks. Dort dominieren weiterhin Kurzarbeit und unsichere Zukunftsperspektiven. Das darf in diesen  hochspezialisierten Unternehmen kein Dauerzustand werden“, so Michael Linnartz.

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