Werksschwester bei Sanofi
Der große Spagat

Bleib gesund! Dieser in der Corona-Krise in Mode gekommene Gruß hat für Sandra Philippi schon immer eine ganz besondere Bedeutung gehabt. Zum einen steht Gesundheit für die 46-jährige Werksschwester beim Pharmakonzern Sanofi in Köln im Zentrum ihres Arbeitsalltags. Zum anderen prägt das Thema auch ihr Privatleben: Ihre 16-jährige Tochter gehört wegen einer Nierenerkrankung zur Risikogruppe. Das macht das Leben in Corona-Zeiten zu einem ganz besonderen Spagat.

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Foto: © IG BCE/Markus Köpp

„Ich habe mich daher schon früh mit entsprechenden Schutzvorkehrungen auseinandergesetzt und trage sogar zuhause meistens eine Maske.“ Auch wenn das teilweise nervig sei, wolle sie das Risiko für ihre Tochter so gering wie möglich halten. Weshalb die allgemeine Maskenpflicht nicht schon früher eingeführt wurde, könne Sie bis heute nicht verstehen und auch von den vorzeitigen Lockerungen der Schutzmaßnahmen halte sie wenig.

Sandra Philippi ist nicht ohne Grund vorsichtig. Denn sie steht gewissermaßen an vorderster Front. Bei Sanofi können Beschäftigte freiwillig Fieber messen lassen, und die Werksschwester ist diejenige, die das Thermometer bereithält. Bei der Aktion gehe es vor allem um die gefühlte Sicherheit und darum, schon bei kleinsten Anzeichen vorsorglich reagieren zu können, sagt sie. „Wir wollen niemanden zu irgendetwas zwingen. Wir versuchen lediglich, etwaige Ansteckungsketten so früh wie möglich zu unterbinden.“

Werksschwester bei Sanofi

Sandra Philippi, Werksschwester beim Pharmakonzern Sanofi

Foto: © Leo Kölzer

Im Falle von erhöhter Temperatur oder Fieber wird der betroffene Beschäftigte sofort nach Hause geschickt und für den unmittelbaren Weg mit einem Masken-Notfallpaket ausgestattet. Für einen selbst ist darin eine einfache Mund-Nasen-Schutzmaske enthalten. Für Menschen, die auf dem Weg nach Hause zu nahekommen könnten, gibt es einen Satz schützende FFP-Masken.

Weil das Fiebermessen schon vor der deutschlandweiten Maskenpflicht losging, trug auch Sandra Philippi dabei anfangs eine FFP-Maske. „Damit konnte ich mich vor einer Ansteckung schützen, auch wenn mein Gegenüber keine Maske trug.“ Durch die allgemeine Pflicht zum Tragen einer Maske reiche ihr heute eine einfache Alltagsmaske. Das sie sich beim Fiebermessen trotzdem mit dem Virus infizieren könnte, sei ihr bewusst. „Als Werksschwester gehört die Aufgabe aber eben zu meinem Job und dem möchte ich gerecht werden.“ Bisher kam es dabei glücklicherweise noch zu keinem Härtefall und auch sonst hat das Corona-Virus den Kölner Sanofi-Standort verschont.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus hat das Unternehmen einiges getan, zeitweise sogar Desinfektionsmittel für den Eigenbedarf produziert. Trotz der getroffenen Schutzvorkehrungen gibt es Beschäftigte, die im laufenden Betrieb einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. „Unsere Kolleginnen und Kollegen, die nicht ins Home-Office ausweichen konnten, haben den Laden in der Produktion oder in produktionskritischen Bereichen am Laufen gehalten“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Sadok Ben-Ali.

Für sie hat sich der Betriebsrat in einem eigens eingerichteten Pandemie-Ausschuss besonders eingesetzt. Infolgedessen wurde den betroffenen Beschäftigten eine freiwillige Sonderzahlung von etwa 15 Prozent des monatlichen Bruttogehaltes ausgezahlt. „Eine schöne Geste, die als Zeichen der Anerkennung zu verstehen ist.“ Insgesamt sei die Belegschaft in der Krise noch stärker zusammengerückt „Die Solidarität untereinander ist spürbar – trotz des Abstands.“

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