Handdesinfektionsmittel von Dow Stade
15 Tonnen täglich

Von der Anfrage des Bundesgesundheitsministeriums bis zum Anrollen der Produktion vergingen nur wenige Tage. Dabei mussten einiges an Genehmigungen eingeholt und so manche organisatorische und bürokratische Hürde genommen werden.

Unsere Alltagshelden
Foto: © IG BCE/Markus Köpp

Seit dem 20. März produziert der Chemiekonzern Dow in seinem Werk in Stade-Bützfleth Handdesinfektionsmittel: 15 Tonnen am Tag, rund 300 Tonnen im Monat. Das sind bis zu 600.000 handelsübliche Flaschen á 500 Milliliter.„Das alles so schnell zu organisieren, war wirklich ein Glanzstück“, freut sich Thomas Mellin, Betriebsratsvorsitzender bei Dow Stade. Das Projekt ist Teil einer bundesweiten Initiative des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) und des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) zur Unterstützung der COVID-19-Pandemie. Basis für die Erlaubnis zur Produktion ist eine erteilte offizielle und rechtliche Freigabe durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Thomas Mellin, Betriebsratsvorsitzender bei Dow Stade
Foto: © Privat

„Hier freut sich wirklich jeder, in dieser schwierigen Zeit, etwas Gutes tun zu können“

Thomas Mellin
Betriebsratsvorsitzender bei Dow Stade

Dow stellt regulär kein Handdesinfektionsmittel her, verfügt aber über einen Großteil der für Handdesinfektionsgel nötigen Inhaltsstoffe. Es besteht zu 80 Prozent aus Ethanol, zu vier Prozent aus Wasserstoffperoxid-Lösung und zu 15 Prozent Wasser. Zur Pflege der Hände wird zusätzlich ein Prozent Glyzerin hinzugefügt. Das Glyzerin steuern die Stader Anlagen des benachbarten Chemieunternehmens Olin bei. Gemäß der Vorgaben der WHO müsssen Desinfektionsmittel unter Aufsicht eines Apothekers hergestellt werden. Auch bei Dow in Stade sei jetzt immer eine Apothekerin während des Herstellungsprozesses anwesend, berichtet Mellin.

Das Handdesinfektionmittel gibt Dow Stade bundesweit kostenlos an Krankenhausapotheken und Kliniken ab. Die Bereitschaft der Mitarbeiter, das Projekt zu unterstützen ist groß. „Hier freut sich wirklich jeder, in dieser schwierigen Zeit, etwas Gutes tun zu können“, berichtet Mellin. Für den Betriebsrat gute Voraussetzungen. Zumal sich der organisatorische und zeitliche Aufwand, das Desinfektionsmittel herzustellen, in Grenzen hält. „Es ist in diesem Sinn keine große Mehrarbeit entstanden. Wir haben die Kapazitäten etwas umgeswitcht, und dann ging das schon“, sagt Mellin, der seine Tätigkeit bei Dow 1989 als Ver- und Entsorgungsmeister begann und seit 2010 Vorsitzender des Betriebsrates ist. Etwa 20 Mitarbeiter teilen sich zurzeit die Zusatzproduktion im Wechsel. 15 Tonen am Tag: Was der Laie als enorme Menge empfindet, seien für die Beschäftigten bei Dow „Peanuts“, sagt Mellin. „Wir denken ja in ganz anderen Größenordnungen. Für uns sind das fast schon kleine Mengen.“

In der Belegschaft, hat Mellin beobachtet, gibt es angesichts der Corona-Pandemie viele nachdenkliche Gespräche zum Thema Outsourcing. „Vor allem bei Produkten, die wir als Gesellschaft medizinisch benötigen, um gesund zu bleiben, wie zum Beispiel Schutzmasken oder eben auch Desinfektionsmittel, muss man wirklich überlegen, wieder mehr in Deutschland zu produzieren, um die Sache selbst in der Hand zu haben und nicht abhängig von anderen Ländern, Standorten und Versorgungsstrukturen zu sein“, gibt Mellin die Meinung vieler seiner Kollegen wieder.

Alltagshelden bei Dow Stade

Mirja Rosengarten, Burkhard Otten, Detlet Jungheit, Stefan Kranz, Shabinath Theivendiran (von links). „Wir als Kolleginnen und Kollegen begrüßen es sehr, dass sich Dow spontan und kostenlos bereit erklärt hat zu helfen. Gerade jetzt ist Solidarität gefragt. Gemeinsam werden wir diesen Virus besiegen.“

Foto: © Ingo Buhmann

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