Kinderbetreuung in Coronazeiten
"Wir fordern eine Familiensoforthilfe"

Home-Office und Kinderbetreuung sind aufgrund geschlossener Kitas und Schulen eine Doppelbelastung für viele Eltern. Wir fassen zusammen, welche Verbesserungen IG BCE und DGB durchsetzen konnten und was sich noch ändern muss. 

 Besser ist es, wenn Mütter und Väter auch in der Elternzeit den Kontakt zum Betrieb nicht verlieren
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Eine typische Situation: Im Laufe der Telefonkonferenz verhält sich das Kind ruhig, bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Vater oder die Mutter berichten soll. Die Stummschaltung wird aufgehoben und das Kind fordert sein Recht auf Aufmerksamkeit in voller Lautstärke. Was sollen Eltern tun? Ignorieren und zeigen, dass sie für den Betrieb da sind? Den Vorurteilen trotzen, dass Home-Office und Elternschaft nicht zusammenpassen? Oder das Bedürfnis des Kindes erfüllen und um Verständnis im Team bitten? Home-Office und Kinderbetreuung sind eine Doppelbelastung, die schnell zu negativem Stress führen kann. Und betroffen sind davon Eltern, deren Arbeit im Home-Office grundsätzlich möglich ist.

„Wir bekommen viele Anfragen, in denen Eltern um Unterstützung bei der Lösung dieses Dilemmas bitten“, sagt Karin Erhard, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE. „Lösen können wir das aber nur gemeinsam. In der Zusammenarbeit von IG BCE, Betriebsrat, Arbeitgeber und Eltern.“ Eltern arbeiten leider schon seit Wochen unter diesen Bedingungen. Welche Auswirkungen das auf die eigene Gesundheit hat, ist im Moment noch nicht abzusehen. Spurlos vorübergehen wird das an den Beschäftigten voraussichtlich nicht.

Der DGB und die IG BCE machen sich für die Belange von Eltern stark und haben bereits erste Erfolge erzielt. Das Infektionsschutzgesetz bietet eine Entschädigung für Eltern, die die Kinderbetreuung nicht regeln und deshalb auch die Arbeit im Home-Office nicht leisten können. Außerdem hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) eine Initiative gestartet, die Phasen der Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit (bedingt durch die Corona-Krise) nicht in die Elterngeldberechnung einbezieht. Jüngst hat die Bundesministerin Giffey angekündigt, dass die Kinderbetreuungseinrichtungen schrittweise wieder geöffnet werden.

„Das reicht uns aktuell nicht“, sagt Karin Erhard. „Ein konkreter Zeitplan fehlt leider und es profitieren nicht alle Eltern von diesen Möglichkeiten. Was wir brauchen ist eine Familiensoforthilfe, die Eltern eine Ersatzleistung anbietet, wenn sie Kinderbetreuung und Home-Office nicht vereinbaren können.“ Zudem ist derzeit noch ungewiss, ob es zu einem späteren Zeitpunkt nicht wieder zu strengeren Reglementierungen kommt.

Familiensoforthilfe – was heißt das genau? Nach unseren Vorstellungen sollen damit Eltern und Pflegende unterstützt werden. „Wir können es nicht zulassen, dass diejenigen, die diese wichtige Care-Arbeit leisten, an den Rand der Belastungsgrenze und häufig auch noch darüber hinaus gebracht werden.“, so Karin Erhard, „Eltern und Pflegende sind Leistungsträger in unserer Gesellschaft und dies in zweifacher Hinsicht.“ Neben der Entgeltersatzleistung brauchen wir die Möglichkeit, sich tageweise von der Arbeit freistellen zu lassen. Ebenso ist ein gesonderter Kündigungsschutz notwendig, damit Eltern und Pflegende keine Nachteile haben, wenn sie eine Freistellung von der Arbeit in Anspruch nehmen.

Und was heißt dies für die Zukunft? Ist Elternschaft und Home-Office unmöglich? „Nein“, sagt Karin Erhard, „wir sind aktuell in einer besonderen Situation. Normalerweise können Kinder nach draußen, sich zum Spielen verabreden und von Dritten betreut werden. Home-Office ist also auch für Eltern grundsätzlich eine gute Idee. Deshalb brauchen wir gute Regelung im Home-Office, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einen weiteren Schritt nach vorne zu bringen.“