Pflegezusatzversicherung

CareFlex schützt vor Pflegelücke

Zum 1. Juli startet die tariflich vereinbarte Pflegezusatzversicherung CareFlex Chemie. Die IG BCE hat damit erneut Neuland betreten – und hilft den Beschäftigten in der Chemiebranche dabei, die drohende Pflegelücke zu schließen.

Ralf Sikorski, gHV-Mitglied

Ralf Sikorski, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE

Foto: © Helge Krückeberg

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass wir als IG BCE neue Wege gehen. Schon oft haben wir tarifpolitisches Neuland beschritten, wir gehörten etwa zu den Ersten, die für viele Beschäftigten in ihren Branchen die Wahlmöglichkeit zwischen mehr Freizeit und mehr Geld ausgehandelt haben. Ein Modell, das mittlerweile auch außerhalb unserer Industrien viele Nachahmer gefunden hat. Zum 1. Juli startet nun eine weitere tarifpolitische Innovation, die es in diesem Land noch nicht gegeben hat, man könnte es angesichts der Komplexität sogar ein  Jahrhundertprojekt nennen: die arbeitgeberfinanzierte und solidarische Pflegezusatzversicherung CareFlex, mit der wir das Pflegerisiko der Beschäftigten in der Chemie- und Pharmabranche absichern. Das ist einmalig und ich bin persönlich sehr stolz darauf, dass wir diesen tarifpolitischen Meilenstein trotz aller Widrigkeiten gesetzt haben.

Über CareFlex sind nun  alle 450.000 Chemie-Tarifbeschäftigten obligatorisch über einen pauschalen Arbeitgeberbeitrag von 33,65 Euro pro Kopf und Monat versichert – und das ohne Gesundheitsprüfung, die gerade älteren oder vorbelasteten Arbeitnehmer*innen den Zugang zu einer Pflegezusatzversicherung oftmals schwer, teuer oder gar unmöglich macht. Zudem können Beschäftigte günstig Zusatzmodule buchen, um ihre Leistungen weiter aufzustocken. Diese Zusatzkosten tragen die Beschäftigten selbst. Es ist sogar möglich, Familienangehörige mitzuversichern. So lässt sich das Pflegerisiko für jeden Einzelnen und sogar seine Familie auffangen.  Mit CareFlex zeigen wir, was wir als Gewerkschaft bieten können und warum wir es können: weil wir viele sind. Einmal mehr haben wir bewiesen, dass wir ganz vorne spielen, wenn es um tarifpolitische Neuerungen geht. Wir stellen uns einem gesellschaftlichen Problem mit den Mitteln der Tarifpolitik.

Es war ein langer Weg bis hierher: In der Tarifrunde 2019 haben wir mit dem Sozialpartner die Vereinbarung zur bundesweit ersten Pflegezusatzversicherung CareFlex Chemie getroffen und damit ein neues Tor in der Tarifpolitik aufgestoßen. In den zurückliegenden knapp zwei Jahren ging es um die exakte Ausgestaltung und unzählige komplizierte versicherungs- sowie genehmigungsrechtliche Fragen. Aber: Wir haben es trotz der Widrigkeiten geschafft, alle offenen Aspekte und Probleme aus dem Weg zu räumen – konstruktiv, lösungsorientiert und mit dem Ziel, eine tragfähige Lösung zu erarbeiten. Damit ist es uns gelungen, in der Tradition unserer Tarifverträge zur Altersvorsorge und Demografie erneut eine innovative Antwort auf die künftig immer drängendere Frage von Lebensrisiken zu finden. Denn die Aufgaben und Herausforderungen sind groß: Bei auch künftig weiterhin steigenden Pflegekosten müssen immer mehr Menschen damit rechnen, dass sie im Pflegefall auch zum Sozialfall werden – denn die gesetzliche Pflegeversicherung deckt lediglich rund die Hälfte der Kosten ab, die im Pflegefall anfallen.

Laut Schätzungen waren Ende 2019 in Deutschland rund 4,1 Millionen Menschen pflegebedürftig, 2050 dürften es 6,1 Millionen sein. Aktuell sind 40 Prozent aller stationär behandelten Pflegefälle auf Sozialhilfe angewiesen, oftmals müssen Betroffen ihre kompletten Ersparnisse für die Pflege aufbringen. Nur fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland verfügen derzeit über eine ausreichende Finanzdecke, um einen drohenden Pflegefall ausreichend absichern zu können. Wir als Gesellschaft stehen also vor riesigen Problemen – und die IG BCE tut mit CareFlex ganz konkret etwas dagegen und hilft dabei, die Pflegelücke zu schließen.

Und am Ende haben alle etwas von diesem Modell: die Beschäftigten, weil sie eine arbeitgeberfinanzierte Vorsorge bekommen; die Gesellschaft, weil wir das Zukunftsthema Pflege anpacken. CareFlex bringt auch uns als IG BCE weiter nach vorne: Mit der Pflegezusatzversicherung ist es uns erstmals gelungen, im immer wichtiger werdenden Bereich der außertariflichen Beschäftigten einen Zugang zu unseren Tarifverträgen zu erreichen. Unser Ansatz war: Wir wollen eine solidarische Lösung, von der alle profitieren. Dementsprechend kann der Anspruch auf Sicherheit und Schutz auch auf die rund 130.000 außertariflichen und leitenden Beschäftigten ausgeweitet werden, wenn ihr*e Arbeitgeber*in sie kollektiv – und zu den gleichen Konditionen – für die Pflegezusatzversicherung anmeldet. Betriebsräte können jetzt gezielt auf diese Gruppe von Beschäftigten zugehen und Betriebsvereinbarungen abschließen, mit denen die AT-ler in diese neue Tarifleistung eingebunden werden.

Bisher gilt CareFlex nur für die chemisch-pharmazeutische Industrie. Wir sind aber optimistisch, dass sich unsere Idee auch in anderen Branchen durchsetzen wird, weil sie zukunftsorientiert ist und den Beschäftigten einen echten Mehrwert bietet. Sogar die Politik ist mittlerweile hellhörig geworden und blickt mit Interesse auf unsere Aktivitäten.

Der Start von CareFlex ist allerdings nicht die einzige gute Nachricht in der Chemieindustrie: Zum  1. Juli tritt auch die zweite Stufe der Tariferhöhung in Kraft, die Entgelte klettern um 1,3 Prozent. Zudem steigt die Jahresleistung dauerhaft von 95 auf 100 Prozent – ein erneuter Beweis dafür, dass die IG BCE für ihre Beschäftigten immer ein gutes Ergebnis herausholt.




Weitere Informationen

Familie: jung und alt halten zusammen
Foto: © iStockphoto/Wavebreakmedia
CareFlex Chemie
Pflege-Schutz per Tarif

Vorsorge für den Pflegefall — und das per Tarif: Zum 1. Juli startet die neue Pflegezusatzversicherung CareFlex in der Chemieindustrie. Mit ihr geht die IG BCE einmal mehr neue Wege in der Tarifpolitik. Eine solidarische Lösung für ein großes und wichtiger werdendes Thema — alle profitieren.