Schlagworte leicht erklärt
Lexikon der Digitalisierung

Blockchain, Crowdworking, Internet of Things: Rund um die Digitalisierung der Gesellschaft entstehen immer mehr Schlagworte, die uns zunehmend auch in der täglichen Arbeit angehen. Deshalb starten wir an dieser Stelle unser Lexikon der Digitalisierung – und werden es monatlich um einen Begriff erweitern.

Blockchain

Neue Technologien erzeugen oftmals gleichermaßen Angst und Euphorie. Krpytowährungen etwa drohen die alte Welt der Banken aus den Angeln zu heben. Die bekannteste Währung heißt Bitcoin, und sie setzt auf die Blockchain-Technologie.

Die Idee hinter der Blockchain ist nicht neu. Man kennt sie aus der klassischen Buchführung. Im Journal – auch als Tage- oder Grundbuch bekannt – werden alle geschäftlichen Vorgänge detailliert erfasst. Jede Transaktion wird nachvollziehbar aufgezeichnet. Die Blockchain erweitert diese Idee um die digitale dezentrale Speicherung der Daten. Jeder an einer Transaktion beteiligte Partner verfügt über eine deckungsgleiche Blockchain-Datei. Diese Dateien gleichen sich über das Internet miteinander ab. Sollte ein Partner versuchen, in seiner Datei etwas zu verändern, so würde diese veränderte Datei durch den Abgleich mit den anderen Dateien als gefälschte Version erkannt und ausgeschlossen werden.

Die möglichen Einsatzbereiche der Blockchain scheinen grenzenlos, vom klassischen Devisen- oder Aktiengeschäft über den Waren- oder Immobilienhandel bis ins tägliche Leben. Immer wären alle Transaktionen dezentral gespeichert, verschlüsselt und dennoch transparent – und damit sicher und nachvollziehbar. Ob man ein Haus oder ein Auto kauft – in der Blockchain könnten alle wichtigen Daten und Fakten gespeichert werden. Welcher Architekt hat das Haus geplant, wer beim Bauamt den Bauantrag genehmigt, welcher Installateur die Wasser- und Stromleitungen gelegt, welcher Hersteller die verbauten Rohre und Kabel vorher hergestellt – und so weiter und so fort. Die Kette ist grenzenlos erweiterbar. Beim Auto würde die Blockchain das Scheckheft ersetzen und nicht mehr nur die Reparaturen vom Vertragshändler vermerken, sondern auch all die kleinen Instandsetzungen der Werkstatt um die Ecke. Eine lückenlose, nachprüfbare, fälschungssichere Historie aller Teile sowie aller Menschen und Unternehmen, die jemals mit dem Auto in irgendeiner Weise zu tun hatten.

Doch die Blockchain könnte auch zum Jobkiller werden. Denn wenn etwa smarte Verträge, die in der Blockchain verankert sind, regeln, wann wer von wem für eine Dienstleistung Geld erhält – wenn z.B. ein Händler Waren geliefert und der Hersteller automatisch den vereinbarten Betrag überwiesen bekommt oder jemand sein smartes Auto in einer smarten Parkbucht abstellt und die Gebühr automatisch abgebucht wird –, dann braucht es keine Kontrolleure mehr. Das übernimmt dann die Blockchain, unbestechlich und ständig.

Crowdworking

Manche Arbeiten scheinen so umfangreich zu sein, dass ein Mensch auf sich selbst gestellt es nie schaffen würde, diesen Berg an Aufgaben allein abzuarbeiten. Für eine große Gruppe - eine Crowd (Masse) - dagegen ist das kein Problem, wenn man die Aufgaben in kleine Einzelaufträge zerteilt und verteilt. Ameisen sind ein gutes Beispiel, wie Crowdworking funktioniert: Millionen von Tieren übernehmen minimale Jobs und vollbringen Mammutprojekte.

Crowdworker sind sozusagen die digitalen Ameisen des Internetzeitalters. Der Einsatz von Crowdworkern ist so mannigfaltig wie das Web selbst: Von simpelsten Tätigkeiten wie der Verschlagwortung von Millionen von Fotos über die Erstellung und das Testen von Websites bis hin zur Entwicklung von Produktideen und der anschließenden Gestaltung - alles, was man mit Hilfe eines Computers, eines Tablets oder eines Smartphones erledigen kann, kann von einer Crowd abgearbeitet werden.

Die Vorteile dieser digitalen Arbeitswelt scheinen verlockend: Keine rigide Arbeitszeit und kein festes Büro, sondern individuelle Zeiteinteilung mit der Welt als Arbeitsplatz. Denn für Aufträge, die komplett digital erledigt werden können, spielt es keine Rolle, ob sie in Leverkusen oder in Laos erledigt werden. Und wer richtig spezialisiert ist, kann viel Geld verdienen. Wer aber nur Links auf einer Homepage per Klick auf Funktion testet, darf keine Expertenentlohnung erwarten.

Diese Art digitaler Freiberufler tragen dafür aber alle Risiken und Kosten selbst, inklusive Krankenversicherung und Sozialabgaben. Keine oder kaum Rechte und keinen bis wenig Schutz sind die Folge. Das ist der Nachteil für die einzelne Ameise - bei Ausfall ist sie sofort ersetzbar, ohne Rücksicht auf Einzelschicksale. Crowdworker laufen auch Gefahr, nicht einmal den Mindestlohn zu verdienen. Denn es wird nicht Arbeitszeit bezahlt, sondern nur erbrachte Leistung. Statt Arbeitsplatz zählt nur Arbeitseinsatz. Das ist die ultimative Flexibilisierung der Arbeit.

In dieser Hinsicht gleicht das World Wide Web dem Wilden Westen - viele Möglichkeiten, kaum Schiedsrichter, die für Recht und Ordnung sorgen. Somit dürfte Crowdworking zu einer der größten Herausforderungen für Gewerkschaften und unsere (globale Arbeits-) Gesellschaft werden. Denn man wird das Rad nicht zurückdrehen und die Zeit nicht anhalten können. Aber man kann diese (nicht immer) schöne neue Welt mitgestalten und mit Regeln versehen. Freiheiten und Möglichkeiten wird es dann auch noch genügend geben. Aber eben auch weniger Kollateralschäden.

Internet of Things

Das Internet of Things (IoT), zu deutsch das Internet der Dinge, ist ein Begriff, der keine klare Grenze aufweist. Industrie 4.0 ist genau Teil des IoT wie das Smart Home, in dem per Smartphone Heizungsventile (Smart Metering) und Lampen zu Hause geregelt werden. Der Kühlschrank, der selbständig Milch beim Supermarkt mit Lieferservice nachbestellt, nachdem ein Sensor das Gewicht der Milchtüte gemessen hat, ist keine Fiktion mehr, auch wenn er in der breiten Öffentlichkeit noch nicht Fuß gefasst hat. Die große Industrieanlage, die mittels Sensoren selbständig misst (Predicitive Maintenance, siehe Kompakt Magazin 07/08 2019), ob alles in Ordnung ist oder sich ein Technikerteam doch schon mal auf den Weg machen sollte, ist dagegen längst Realität. Es ist ein bisschen so wie in dem altbekannten Sketch »Milz an Großhirn« von Otto.

Das IoT ist also auf der einen Seite die Schnittstelle zwischen der physischen und der virtuellen Welt, in der jedes Ding, das mit einem Netzwerk verbunden werden soll, eine eindeutige Identität erhält. Passionierte Hobbygriller etwa nutzen gern Fleischthermometer, die per Bluetooth die aktuelle Kerntemperatur des Grillguts ans eigene Smartphone oder Tablet übertragen. So muss man nicht mehr ständig am Grill stehen, sondern kann sich seinen Gästen widmen. Auf der anderen Seite ist das IoT aber eben auch die Verbindung zwischen sogenannten intelligenten Geräten, den Smart Devices, die ohne Eingabe des Menschen funktionieren und miteinander kommunizieren. Die Geräte oder virtuellen Anwendungen verständigen sich, einigen sich und handeln, ohne dass der Mensch noch Teil dieser Kommunikation sein muss. Dieser hat aber im Vorfeld die Regeln abgesteckt, innerhalb derer die Geräte und Anwendungen handeln dürfen und sollen.

Die Vernetzung vieler Geräte miteinander über ein Netzwerk mit eventueller Anbindung ans Internet bietet nicht nur Vorteile wie Predictive Maintenance oder Just-in-time-Lieferungen, sondern birgt auch Risiken. Denn alles, was in einem Netzwerk adressiert ist, kann angegriffen werden. Denkbare Missbrauchsszenarien reichen vom unbefugten Auslesen und Ausspionieren persönlicher Daten über das Ausführen von unerwünschten Aktionen bis hin zur Sabotage und Zerstörung von ganzen Industrieanlagen. Daher gilt es abzuwägen, welche Erleichterungen und Erweiterungen eingedenk der möglichen Risiken wir nutzen wollen und wann wir lieber offline bleiben wollen.