1931–1940: Verfolgung und Widerstand

Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, Demokratieverlust sind die Wegbereiter für die schlimmsten Jahre in der deutschen Geschichte: Die Nationalsozialisten übernehmen 1933 die Macht. Sie zerschlagen die Gewerkschaften und verprügeln, verhaften oder ermorden Gewerkschafter.

Anfang der 1930er-Jahre ist die Arbeiterbewegung wie die Politik zerstritten: Freie und christliche Gewerkschaften sind uneins. Das gilt aber auch für die politischen Organisationen: Die Kommunisten sehen in Sozialdemokraten ihren Hauptfeind und nicht in den Nazis. Die Arbeitslosenunterstützung wird trotz des Protests der Gewerkschaften gekürzt, die Bezüge im öffentlichen Dienst werden abgesenkt und die Rente wird eingeschränkt. Die Arbeitslosenunterstützung reicht vorn und hinten nicht. 1932 gibt es mehr als sechs Millionen Arbeitslose.

Die Zerschlagung der Gewerkschaften

Viele sehen zu diesem Zeitpunkt in den Nazis die Lösung ihrer Probleme. Die versprechen, den Parteienstreit zu „überwinden“ und Arbeitsplätze zu schaffen. Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Es beginnt die Zeit der Verbote und der Verfolgung von Parteien und Gewerkschaften und – mit besonderer Menschenverachtung – von Juden. Das NS-Regime setzt seine ersten Maßnahmen gegen gewerkschaftliche Organisationen um: Am 1. April 1933 besetzt die SS das Verbandsgebäude des Fabrikarbeiterverbandes in Hannover. Der Zynismus und die Brutalität der Nazis kennen keine Grenzen. Sie führen den 1. Mai als offiziellen Feiertag ein, feiern den Tag der Arbeit und zerschlagen einen Tag später brutal die deutschen Gewerkschaften. An deren Stelle tritt im Mai 1933 die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF), in die sowohl Millionen Mitglieder aus den freien Gewerkschaften als auch Unternehmer aus der Wirtschaft hineingedrängt werden. Die DAF wird zur mit Abstand größten NS-Organisation. Im Oktober 1934 wird die Deutsche Arbeitsfront offiziell der NSDAP angeschlossen. Mithilfe der DAF und der NS-Propaganda baut das NS-Regime seine Herrschaft in den deutschen Betrieben und in der Wirtschaft weiter aus.

Verfolgt, verhaftet oder ermordet

Vielen scheint Widerstand gegen NS-Organisationen wie die DAF aufgrund der Zerschlagung der Gewerkschaftsstrukturen kaum mehr möglich, andere glauben, Hitler und der „braune Spuk“ des Dritten Reiches würden sich bald von selbst erledigen. Einige Aktive aus der Arbeiterbewegung gehen ins Exil, um von dort aus den Gedanken der Arbeiterbewegung hochzuhalten, oder leisten mit anderen Widerstand im Untergrund. Sie suchen Kontakt zu Gleichgesinnten aus der Arbeiterschaft, um die Ziele der Arbeiterbewegung über die Zeit des Nationalsozialismus zu retten. Manche opfern dabei ihr Leben wie der langjährige Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes Fritz Husemann. Am Tag nach seiner Einlieferung ins KZ wird er „auf der Flucht“ erschossen. Willy Scheinhardt, der Gauleiter des Fabrikarbeiterverbandes in Hannover, wird im Oktober 1936 im Gestapogefängnis Hildesheim ermordet. Und der christliche Gewerkschafter Heinrich Imbusch erliegt den Folgen von Verfolgung und Untergrund wenige Monate vor dem Kriegsende. Drei Namen, die stellvertretend sind für die vielen Opfer in der NS-Zeit: Rund 150.000 politisch Andersdenkende, Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter werden bis Ende des Jahrzehnts verhaftet, landen in KZs oder Zuchthäusern, werden verprügelt oder gar ermordet.

1941–1950: Neuanfang, Stunde null